Schutzengel gesucht

Nach seinem schweren Unfall Anfang August in Weiden kann Peter Bär inzwischen wieder seinen Garten genießen. Abgeschlossen ist das Kapitel für ihn aber noch lange nicht: Auch, weil er eine Frau sucht, die ihm zusammen mit zwei anderen Helfern beigestanden ist. Bild: le

Mit fürchterlichen Unfällen kennt Peter Bär sich aus. Als Polizist musste er zu vielen dieser Tragödien ausrücken. Im August erwischte es ihn selbst. Schwerverletzt bekam er Hilfe von Passanten. Seither ist Bär auf der Suche nach einem dieser Schutzengel.

Peter Bär sagt, er sei immer ein vorsichtiger Motorradfahrer gewesen. Defensiv und nicht zu schnell. Das mag auch mit seiner Arbeit zu tun haben. Bis zu seiner Pensionierung war der 61-Jährige Polizist, zuletzt in Neustadt, und hat in seiner Laufbahn viel Übles auf den Straßen erlebt. Aber in manchen Situationen hilft auch Vorsicht nicht.

Keine Chance

An diesem Dienstag, 4. August, um kurz nach halb vier nachmittags erwischt das Auto sein Motorrad seitlich. Er hatte keine Chance, zu reagieren. Bär war auf der Christian-Seltmann-Straße unterwegs, der Kleinwagen kam plötzlich aus der Fichtestraße. Eine simple Vorfahrtsverletzung, wie Bär sagt, wegen der er der Autofahrerin gar nicht gram sein könne. Die aber böse Folgen hat.

Bär schleudert auf die Straße. Er rappelt sich auf, irgendwie. Kriegt kaum Luft. Hat irrsinnige Schmerzen. Bär schafft es, seinen Helm abzunehmen. Er schleppt sich zum Gehsteig. Dort muss er dann wohl zusammengebrochen sein. Bär weiß das alles nicht mehr so genau - der Stress, die Schmerzmittel hinterher. Später werden die Mediziner schwere Verletzungen am Oberkörper feststellen, er wird zwei Tage auf der Intensivstation liegen. Bär sagt, er hat Glück gehabt.

Er meint damit Pieter Wittmann, der gerade mit dem Auto vorbeikommt und sofort anhält. Er meint auch Julia Hegner, die den Unfall aus ihrer Wohnung beobachtet und hinunterläuft. Und er meint die Frau, in Bärs Erinnerung ist sie vermutlich dunkelblond und um die 40 Jahre alt, die seinen Kopf hält.

Die drei reden ständig auf den 61-Jährigen ein, sprechen ihm Mut zu, lagern ihn um, wenn die Schmerzen unerträglich werden, passen auf, dass er nicht erstickt, falls er sich erbricht. Bis der Notarzt kommt.

Inzwischen ist Bär wieder zu Hause, in Plankenhammer bei Floß. "Ich habe immer noch mit den Spätfolgen zu kämpfen", sagt er. Trotzdem treibt ihm seither auch noch etwas anderes um. Er will sich bei den dreien bedanken. So weit es geht. Mit Wittmann und Hegner hat er inzwischen telefoniert und sie vorgeschlagen für die Auszeichnung "Kavalier der Straße". Von der dritten Helferin weiß er allerdings den Namen nicht. Er bittet sie oder Bekannte, sich deswegen an die Redaktion zu wenden (redws@zeitung.org). Auch wenn Bär gar nicht mal so sicher ist, ob sich die Frau wirklich zu erkennen gibt. Sie habe ja auch schon nach dem Unfall nur gesagt, dass ihre Hilfe selbstverständlich sei - und sie deshalb ihren Namen eigentlich gar nicht nennen wolle.

Falsche Ängste

Selbstverständlich? Das stimmt so nicht. Bär jedenfalls hat in seinen mehr als 40 Dienstjahren bei der Polizei oft erlebt, dass Zeugen einfach nichts tun. Das sei noch nicht einmal immer fehlende Courage. Manche könnten einfach nicht. "Oder sie haben Angst, etwas verkehrt zu machen, viele sind da überfordert." Dabei zeige sein Fall, dass dem nicht so sein muss. Viel Erste Hilfe leisten konnte das Trio gar nicht - Bär steckte ja noch in seinem Motorradanzug. "Aber alleine, dass da jemand ist, der mit einem spricht, das ist sehr hilfreich." Für ihn sei das "unvorstellbar wichtig" gewesen.

Wichtig sei ihm auch, dass die Frau zumindest diese Zeilen liest, wenn sie sich tatsächlich nicht meldet. Dann sage er wenigstens auf diesem Weg der Unbekannten - wie den beiden anderen Helfern - ganz einfach: Danke.
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