Schutzschirm über junge Familien

"Kinderschutz braucht starke Netze", betonte Referentin Isabella Gold vom Bayerischen Sozialministerium. Bild: Frischholz

Die Kinder von heute sind die Eltern von morgen. Was heute an ihnen versäumt wird, rächt sich in der Zukunft. Kinderschutz auf hohem Niveau - das soll eine Allianz der Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth sowie der Stadt Weiden erreichen.

(fz) Bei der 2. Kinderschutzkonferenz Nordoberpfalz im "Café Mitte" stellte der KoKi ihre Arbeit vor. "KoKi" - so lautet das Kürzel für den "Koordinierten Kinderschutz", der angesiedelt ist an den Jugendämtern von Neustadt/WN, Tirschenreuth und Weiden. Das Angebot richtet sich an Eltern von noch nicht geborenen und von Kleinkindern bis drei Jahren. Die Behörden bestücken den KoKi mit jeweils zwei Fachkräften. Primäres Ziel: der Aufbau eines Netzwerks zwischen Eltern mit Problemen über Kinderärzte und Kinderkliniken bis hin zu Jugendämtern und Kinderschutzorganisationen.

Zur Konferenz kamen Vertreter verschiedener Fachbereiche wie die Jugendhilfe oder Kinderorganisationen und auch Ärzte. Auch im Namen der Landräte Andreas Meier (Neustadt/WN) und Wolfgang Lippert (Tirschenreuth) betonte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß eingangs, dass Kinder der Reichtum einer Gesellschaft seien. Im KoKi werde hervorragende Arbeit geleistet, die Region stehe beim Kinderschutz hervorragend da. "Wir dürfen kein Kind abhängen", appellierte Seggewiß.

Gute Erfahrungen

Über die Arbeit des KoKi berichtete Norbert Meister, Koordinator beim Jugendamt in Neustadt. Schwerpunkt sei die Netzwerksarbeit. Die Behörde stehe in intensivem Kontakt zur Schwangerschaftsberatung und den Hebammen sowie den Kliniken Nordoberpfalz. Oberarzt Dr. Uwe Maas von der Kinderklinik Weiden bestätigte: Bei Auffälligkeiten habe er sehr gute Erfahrungen damit gemacht, den KoKi direkt anzurufen.

Der KoKi kooperiere mit Qualitätszirkeln der Gynäkologen und Kinderärzte, dem Sozialdienst des Bezirkskrankenhauses und auch der Frühförderstelle des Heilpädagogischen Zentrums, sagte Meister. "Wir haben Zugang zu den Stationszimmern, beglückwünschen bei Besuchen junge Mütter zur Geburt ihres Kindes mit einem kleinen Geschenk und lassen auch unseren Flyer dort." Dass dieser nicht ungelesen im Abfall landet, konnte Brigitte Piper bestätigen. Zwei Tage zuvor hatte eine Frau mit Problemen bei ihr angerufen. Den Flyer hatte sie vor zehn Monaten bei der Geburt bekommen.

Gebildet wurden diverse Arbeitskreise wie etwa das "Bündnis für Familie" oder der "Interdisziplinäre Kinderarbeitskreis". Alles mit dem Ziel, Risikofamilien ganz früh zu erkennen um helfen zu können. Wir streben eine Kinderschutzkonzeption mit einem Gesamtteil sowie speziellen Teil für die Nordoberpfalz an, um so gemeinsam einen Schutzschirm über junge Familien und Kinder zu spannen, schloss Meister.

12 KoKi in Oberpfalz

"Kinderschutz braucht starke Netze", betonte Isabella Gold, Leiterin des Referats Jugendhilfe und Jugendpolitik am Bayerischen Sozialministerium. KoKi sei ein Förderprogramm des Ministeriums, das auf präventiven Kinderschutz setze. Über 100 KoKi gibt es in Bayern, davon 12 in der Oberpfalz.

Die Referentin räumte ein, dass es eine "verdammt schwierige Aufgabe" sei, zu entscheiden, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Ganz eindeutig sei, dass "Elternrecht endet", wo Eltern das Kindeswohl gefährden oder nicht in der Lage sind, dieses sicherzustellen. Das Jugendamt habe zu klären ob eine Gefährdung vorliegt. Hierfür stehe dann das gesamte Netzwerk von Ärzten bis hin zur Kinderschutzambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Uni München zur Verfügung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.