Seggewiß: Studie zur Bevölkerungsentwicklung gewichtet Gewerbesteuer zu stark
Weiden schrumpft? Unmut wächst

Mal aufstrebende "Boomtown", mal aussterbendes Kaff: Wie Weiden statistisch wahrgenommen wird, das kommt ganz auf Betrachtungsweise an - was in den vergangenen Jahren zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen und Schlussfolgerungen führte. Aktuell ist die Max-Reger-Stadt "schrumpfend". Dieses Urteil, das im Rathaus keine Begeisterung auslöst, fällt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in einer Studie.

Zum Vergleich: Die Stadt Neustadt/WN "wächst" demnach ebenso wie Amberg. Tirschenreuth gilt als "stabil". Das, obwohl überall die Bevölkerungszahlen zurückgehen - und Weiden von den Genannten prozentual die mit Abstand wenigsten Einwohner verlor. Eine "schrumpfende" Stadt? OB Kurt Seggewiß widerspricht energisch: "Das ist falsch."

Die Studie, die sich auf die Jahre 2008 bis 2013 bezieht, betrachtet allerdings nicht allein die Entwicklung der Einwohnerzahl, sondern fünf weitere Faktoren. Darunter die Gewerbesteuereinnahmen, denen die Statistiker offenbar größte Bedeutung beimessen. Weiden kassierte pro Einwohner am Ende des Zeitraums ein sattes Drittel (34,43 Prozent) weniger als am Anfang. Neustadt/WN legte um 57,1 Prozent zu.

OB: 1000 Bürger mehr

Das wiegt offenbar schwerer als der Rückgang der Neustädter Bevölkerungszahl um 2,52 Prozent auf 5844 Bürger oder die Abnahme der Erwerbsfähigen um 0,62 Prozent. Die Reger-Stadt zählte 41.726 Bürger (19.745 männlich, 21.981 weiblich), was einem Rückgang von nur 0,71 Prozent entsprach. OB Seggewiß verweist zudem darauf, dass nach städtischer Erhebung rund 1000 Weidener mehr die Stadt bevölkern, als der Zensus 2011 - Grundlage der aktuellen Studie - ergab. Die Erwerbsfähigen legten dagegen um 1,05 Prozent zu. Und die einheimischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gar um 7,58 Prozent (Neustadt: +2,12). Arbeitsplätze - ein Pfund, mit dem der Oberbürgermeister verständlicherweise gerne wuchert. Zumal sich die Zahl weiter erhöht hat. Nach 14.789 solcher Beschäftigungsverhältnisse im Jahr 2013 waren es im Folgejahr schon 15.256 (Neustadt: von 2092 auf 2111). Insgesamt - mit Einpendlern - gibt es in Weiden aktuell 26.614 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte - Rekord!

Andere Werte lässt das Bundesinstitut völlig außer acht. Zum Beispiel die Nebenwohnsitze: Zum 30. September 2014 waren in der Max-Reger-Stadt 1837 gemeldet. Oder die Zahl der Amerikaner. Dem Vernehmen nach leben knapp 2000 US-Staatsbürger in Weiden, die bei der Stadt nicht registriert sind. Tatsächlich bewegt sich Weiden aber auch bei den offiziellen Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung "leicht über der Prognose". Unterm Strich ignoriere die Studie zu viele für Weiden positive Faktoren, glaubt Seggewiß. "Und mit der Gewerbesteuer wertet sie ausgerechnet dem volatilsten Parameter besonders stark." Das Urteil des Rathauschefs: "Weiden wächst."

Die Studie

Die Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung untersuchte die Bevölkerungsentwicklung in Kommunen in den Jahren 2008 bis 2013. Hier im Vergleich: die Parameter der "Mittelstadt" Weiden und der "kleinen Kleinstadt" Neustadt/WN.

Weiden: 41 726 Bürger; Bevölkerungsentwicklung: -0,72 Prozent, Wanderungssaldo je 1000 Einwohner: +3,39 Prozent; Erwerbsfähige Bevölkerung: +1,05 Prozent; Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: +7,58 Prozent; Arbeitslosenquote: -2,22 Prozent; Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner: -34,43 Prozent. Urteil: schrumpfend .

Stadt Neustadt/WN: 5844 Bürger; Bevölkerungsentwicklung: -2,52 Prozent, Wanderungssaldo je 1000 Einwohner: +0,85 Prozent; Erwerbsfähige Bevölkerung: -0,62 Prozent; Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: +2,12 Prozent; Arbeitslosenquote: -1,97 Prozent; Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner: 57,1 Prozent. Urteil: wachsend .
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.