Seniorenpolitisches Gesamtkonzept: In Weiden fehlen barrierefreie Wohnungen
Noch zu viele Stolperstufen

Weiden. (ps) Wohnen zu Hause ist das Megathema für die älteren Menschen. Das hat das Seniorenpolitische Gesamtkonzept für die Stadt Weiden zutage gefördert. Sabine Wenng von der Arbeitsgemeinschaft Sozialplanung in Bayern stellte das von der SPD-Fraktion angeregte Werk im Ausschuss für Jugendhilfe und soziale Fragen vor. Ihr Fazit: "Die Bausünden der Vergangenheit holen uns ein." Weiden hat zu wenig barrierefreien Wohnraum.

Ehrenamtliche Wohnberater

Keine wirklich überraschende Erkenntnis. Doch wie lässt sich dagegen angehen? Die Empfehlung der Expertin: Die Stadt könnte ehrenamtliche Wohnberater ausbilden, die in Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeauftragten Wohnungsbaugenossenschaften dabei unterstützen, Mietwohnungen barrierefrei zu gestalten. Positiv bewertete Sabine Wenng, das Vorhandensein von betreuten Wohnanlagen und von "Calendula". Diese Initiativgruppe plant das Zusammenleben von Jung und Alt in einer Wohnanlage.

Elf Handlungsfelder hat die Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung durchforstet, 5100 ältere Weidener angeschrieben und gemeinsam mit einem lokalen Begleitgremium Empfehlungen erarbeitet. Dazu zählt unter anderem die Einrichtung eines ehrenamtlichen Einkaufsbegleitdienstes für betagte Mitbürger. Oder der Versuch, Hausärzte zu mehr Hausbesuchen zu bewegen. Ob die Einrichtung eines Pflegestützpunktes Sinn mache, war eine Frage, die noch einmal geprüft werden sollte. Sabine Wenng: "Wir waren uns uneinig. Würzburg hat gute Erfahrungen damit gemacht. Es gibt aber nur wenige Städte oder Kreise, die so eine Einrichtung haben."

"Sie können stolz sein auf das Maria-Seltmann-Haus", betonte die Diplom-Psychogerontologin. Mit einem Hol- und Bringdienst ließe sich die gesellschaftliche Teilhabe der Senioren aber vermutlich noch verbessern. Schließlich sei erwiesen: "Wer sozial besser eingebunden ist, ist zufriedener." Zudem empfahl sie, die Angebote im Seltmann-Haus besser an die Generation der alt werdenden 68er anzupassen.

Um das Engagement in Vereinen zu erleichtern, wäre es vermutlich sinnvoll, Neuwahlen spätestens alle zwei Jahre zu durchzuführen. Als großen Erfolg wertete die Fachfrau die Ehrenamtsmesse. Sie riet deshalb dringend zu einer Wiederholung. Tatsächlich würden auch heute noch die meisten Menschen zu Hause gepflegt. Für die Angehörigen sollten deshalb entsprechende Entlastungsangebote ausgebaut werden. Besondere Zielgruppen sind Senioren mit Behinderung und mit Migrationshintergrund. Beide Gruppen werden immer größer und müssten entsprechend eingebunden werden.

"Es gibt nichts Besseres als eine gute Hospiz- und Palliativversorgung", sagte Wenng außerdem. Die Grundlagen dafür seien bereits geschaffen. Jetzt gelte es, das Angebot weiter auszubauen.

Seniorenbeirat für Weiden?

Ausführlich diskutiert werden soll der Bericht erst, wenn er allen Ausschussmitgliedern schriftlich vorliegt. Für die Umsetzung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts wird eine Arbeitsgruppe aus den Mitgliedern des Begleitausschusses gebildet. Die sollen sich dann auch mit der Frage befassen, ob Weiden einen Seniorenbeirat braucht.
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