Serieneinbrecher zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt
Aufs Dach gestiegen und ein Loch gebohrt

Weiden. (hcz) Nach 21 gelungenen Einbrüchen und fünf gescheiterten Versuchen in ganz Bayern konnte die Polizei im Herbst vergangenen Jahres einen moldawischen Serieneinbrecher fassen. Beim Einbruch in einen Discounter in Amberg schlug der "stille Alarm" an. Die Polizei umstellte das Gebäude und nahm den 37-Jährigen auf dem Dach des Gebäudes fest. Die Komplizen konnten entkommen. Am Mittwoch stand der Familienvater vor der 1. Großen Strafkammer.

Ein Jahr lang hatten der gelernte Verkäufer, sein Bruder und ein weiterer Mann Verbrauchermärkte in diversen Städten heimgesucht. Bald war der Polizei klar, dass es sich bei den Einbrüchen in Eslarn, Zwiesel, München, Forchheim, Kemnath, Pressath und Neustadt/Aisch um die selben Täter handeln musste. Die "markante Arbeitsweise", so ein Kripo-Beamter, deutete darauf hin. Außerdem fiel den Beamten auf, dass sich zu den Tatzeiten stets estnische Handys im Bereich der aufgebrochenen Geschäfte befunden hatten.

Eingang Zwischendecke

Die Einbrecher drangen immer des Nachts über ein kleines aufgebohrtes Loch im Dach in die Gebäude ein. Über die Zwischendecke gelangten sie in die, den Märkten angegliederten, Metzger- und Bäckerei-Filialen und stahlen dort Geld aus den Tresoren oder Registrierkassen.

In Luhe-Wildenau musste innerhalb einer Nacht die "Schaller"-Filiale im "Netto"-Markt und die "Nikolaus-Apotheke", wo man außer einen niedrigen vierstelligen Betrag auch Betäubungsmittel stahl, dran glauben. In Hirschau folgten drei Einbrüche in einer Nacht. In Weiden war es der "Diska" in der Frauenrichter Straße, der gleich am Anfang der Einbruchsserie um Geldbomben und Wechselgeld erleichtert wurde. In Heroldsberg nahm sich die Bande auch mal ein Spielwarengeschäft vor.

Neue Fakten zu alter Tat

Die Beute lag in den meisten Fällen im unteren vierstelligen Bereich. Manchmal war der Sachschaden höher als die erbeutete Geldsumme.

Am Verhandlungstag holte den Angeklagten noch eine Tat ein, die er vor zwölf Jahren begangen hatte. Im Mai 2002 - damals lebte er unter einem Decknamen als Asylbewerber in Weiden - überfiel er zusammen mit zwei Komplizen einen Getränkemarkt in Grafenwöhr. Der Angeklagte hatte dem Kassier eine Gaspistole an den Kopf gehalten und ihn mit den Worten "Überfall, Geld her" gezwungen, die Kasse zu öffnen. Als sich Kunden näherten, flüchteten die Räuber. Zwei wurden später gefasst. Der auf der Krim aufgewachsene Moldawier verdrückte sich in seine Heimat.

70 Zeugen nun unnötig

Gemäß einer Verfahrensabsprache zwischen Verteidiger Dr. Jan Bocke-mühl, Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl und dem Gericht gestand der Angeklagte alle Taten gleich zu Beginn. Dadurch konnte man sich weitere zehn Verhandlungstage mit 70 (!) geladenen Zeugen und zwei Sachverständigen ersparen. Landgerichtspräsident Walter Leupold sowie die Richter Dr. Marco Heß und Markus Fillinger verurteilten den seit 14 Monaten in U-Haft Sitzenden zu sechs Jahren Haft.
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