Sexueller "Blackout" wiederholt sich

Der Angeklagte selbst spricht von einem "Blackout". Auf einem Parkplatz nötigte der 49-Jährige seine Nichte (10) zu sexuellen Handlungen. Nicht die einzige Verfehlung, die sich der Mann binnen eines Jahres leistete. Die Richter mussten entscheiden, ob eine Bewährungsstrafe ausreichend sein würde.

Zum Schluss stellte sich für Richter Otmar Schmid nur noch die Frage: "Bewährung oder nicht?" Ein bislang unbescholtener 49-Jähriger stand am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht, weil er sich im März 2014 an seiner zehn Jahre alten Nichte vergangen hatte. Schon ein Jahr vorher war er auffällig geworden: Er hatte zwei 15-, einem 13- und einem 16-jährigen Mädchen pornografische Bilder aufs Handy geschickt. Darunter war auch eine MMS mit dem Bild seines Glieds und der Frage "Gefällt er dir?".

Mit einem "Blackout" entschuldigte der Weidener die sexuelle Nötigung seiner Nichte. Zusammen mit deren Opa war man nach Baden-Württemberg gefahren. Auf der Rückfahrt war der Großvater nicht mehr dabei. Diese Situation nutzte der 49-Jährige aus: Auf einem abgelegenen Parkplatz verdunkelte er die Fensterscheiben des Autos, zog seine Jogginghose herunter und begann zu masturbieren. Als er die Hand des Mädchens an sein Glied führte, ließ das Kind dies aus Angst geschehen. Als es Wochen später einem Verwandten davon erzählte, kam es zu polizeilichen Ermittlungen. Der Geschiedene musste in U-Haft.

Volles Geständnis

Oberstaatsanwalt Rainer Lehner und auch Nebenklagevertreterin Monika Sehmsdorf hielten dem Angeklagten zugute, dass er bereits damals alles gestanden und somit dem Kind die Aussage vor Gericht erspart hatte. Allerdings fragte Lehner, ob ein "Blackout" über ein Jahr denkbar sei, denn der Tat vom März 2014 waren ja die Taten im Frühjahr 2013 vorausgegangen. Es stelle sich die Frage, ob - entgegen den Angaben des Mannes, der selbst drei Kinder hat - nicht doch pädophile Neigungen vorlägen.

Verteidiger Tobias Konze erklärte, dass sein Mandant therapiebereit wäre. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder hatte eine sexualmedizinische Beratung empfohlen, da eine "pädophile Nebenströmung" nicht auszuschließen sei. Rechtsanwalt Konze trug zudem vor, dass der Angeklagte immer sozial eingeordnet gelebt hatte, nicht vorbestraft sei und stets gearbeitet habe. Die Geldauflage zu einer Bewährungsstrafe sei etwas milder zu bemessen, als Oberstaatsanwalt Lehner gefordert hatte.

Damit hatte Konze Erfolg. Richter Schmid und die Schöffen verurteilten den Mann zu zwei Jahren auf Bewährung, verbunden mit der Auflage, 50 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten und zu einer sexualmedizinischen Beratung zu gehen.
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