SGW Stadtbau sucht Ausweg: Niedrige Mietpreise hemmen Investitionen
Wohnungsnot in Weiden

Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm (links) und Aufsichtsratsvorsitzender OB Kurt Seggewiß mit den ausscheidenden und neuen Aufsichtsräten. Helmut Ruhland (Zweiter von links) räumt nach sechs Jahren seinen Platz für Hildegard Burger. Rudolf Winter (Zweiter von rechts) übernimmt den Posten von Ludwig Zitzmann (Mitte). Bürgermeister Lothar Höher (Dritter von links) wurde einstimmig als Aufsichtsrat wiedergewählt. Bild: Wieder
Während in den Ballungszentren die Mieten explodieren und damit auch die Bauwirtschaft brummt, regt sich in Weiden nur wenig. Die hier vergleichsweise niedrigen Mieten bei steigenden Baupreisen lassen immer weniger Baukräne auffahren. "Wir können es nicht abstreiten. Wir haben deshalb eine Wohnungsnot in Weiden", bestätigte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bei der Gesellschafterversammlung der SGW Stadtbau, der er als Aufsichtsratsvorsitzender vorsteht.

Trotz der günstigen Zinsen rechneten sich - angesichts der im Vergleich zu den Metropolen - niedrigen Mieten - Investitionen nicht. Damit bleibt das Angebot knapp und die Spirale beginnt sich zu drehen. Gerade für einkommensschwache Bürger werde die Suche nach einer Wohnung "verdammt hart", prophezeite der Oberbürgermeister.

Diplomkaufmann Günther Kamm, Geschäftsführer der SGW-Stadtbau, deutete an, das Unternehmen wolle sich "punktuell" im Neubau engagieren und seine Möglichkeiten im Sinne der Wohnungssuchenden ausschöpfen. "Wenn wir öffentliche Mittel in Anspruch nehmen, liegt der Zinssatz bei einer zehnjährigen Laufzeit nahe Null."

Das große Problem seien die hohen Baupreise. "Wir sind zu einer Mindestrendite verpflichtet." Es gebe, so Kamm, ein "krasses Missverhältnis zwischen den Oberzentren und den Mieten im Rest der Republik".

Für Hartz IV zu teuer

Die Stadt Weiden hat ihrer Stadtbau einen Bärendienst erwiesen, als sie die Basisberechnung der Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger absenkte: Selbst die Niedrigmieten der Stadtbau, die stabilisierend auf den ganzen Markt wirken, wurden so für die "Bezieher von Transferleistungen" zu teuer. "Wir mussten andere Mieter akquirieren", betonte Kamm in seinem Geschäftsbericht. Die Stadtbau versuche weiterhin, "allen Bevölkerungsschichten gerecht zu werden". Die Erfüllung des Auftrags, insbesondere bei den sozial Schwächeren, werde durch die Rahmenbedingungen zunehmend erschwert.

Als größtes Wohnungsunternehmen in Weiden besitzt die Stadtbau 253 Häuser mit 1760 Wohnungen. Aus der Bewirtschaftung der Immobilien erzielte sie einen Umsatz von 7,1 Millionen Euro. Die Bilanzsumme stieg um fast zwei Millionen auf nun 51,5 Millionen Euro, das Eigenkapital von 24,4 auf 25 Millionen Euro. Ebenso wuchs der Jahresüberschuss um 160 000 Euro auf 643 000 Euro. Hier schlug vor allem der Verkauf von "Streubesitz" positiv zu Buche. Diese Transaktionen in der Prof.-Heuss-Straße sowie in der Von-Steuben-Straße seien inzwischen abgeschlossen. "Wir erwarten 2015 einen Überschuss von rund 400 000 Euro."

Seit Jahrzehnten verzichten die Gesellschafter auf eine Ausschüttung. Der Gewinn von 642 761 Euro wird in die Rücklagen eingestellt. In seinem Bericht erteilte Direktor Hans Maier vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen den "uneingeschränkten Bestätigungsvermerk". Weitere Berichte folgen.
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