Sich selbst in Haft gelogen

An dieser Strafe ist der 44-Jährige doppelt schuld. Nicht nur, dass er nach einem Diebstahl Angestellte mit einem Messer bedrohte, auch vor Gericht verhielt er sich alles andere als korrekt.

Drei Jahre und zehn Monate wegen räuberischen Diebstahls: Dazu verurteilten Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die Schöffen einen 44-Jährigen, der im Februar in einem Elektronikmarkt in der Regensburger Straße zwei Smartphones eingesteckt hatte und, als er erwischt wurde, die Angestellten mit einem Messer bedrohte.

Kurz vor Ladenschluss war der Mann mit einem Komplizen in das Geschäft gekommen. "Schon mit der Absicht zu klauen", stellte Staatsanwältin Susanne Pamler in ihrem Plädoyer fest. Man hatte sich zwei hochwertige Handys geben lassen und sie dann in einer präparierten Umhängetasche des Angeklagten verschwinden lassen. Als der Ladendetektiv und ein Abteilungsleiter die beiden beim Verlassen des Marktes stellten, zog der große, kräftige Mann ein Messer und richtete es auf Letzteren. Die Angestellten ließen daraufhin von den Dieben ab. Diese gingen sodann seelenruhig hinaus und flüchteten mit Fahrrädern.

Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten, neben seiner "massiven kriminellen Energie", auch sein Verhalten vor Gericht, sagte Heindl im Urteil, das nur zwei Monate unter Pamlers Antrag lag. Mehrfach hatte der Verheiratete dem Schöffengericht Lügen aufgetischt: Den Komplizen kenne er nur flüchtig. Die Handys habe er in Polen verscherbelt. Das Messer habe er nicht gezogen, sondern "zum Spielen" schon länger in der Hand gehabt. Auf Videoaufzeichnungen aus der Kamera des Marktes, die ein Polizeiexperte vor Gericht vorspielte, war jedoch deutlich zu sehen, wie er das Messer zog. Der Komplize - dem Angeklagten wohlbekannt - ist inzwischen gefasst. Und die Mobilfunkgeräte wurden in Weiden sichergestellt.

Rechtsanwalt Peter Kanev (Alten-Busek) trug vor, dass es kein "räuberischer Diebstahl" gewesen sei. Der Diebstahl sei schon vollendet gewesen und sein Mandant habe sich zu diesem Zeitpunkt lediglich gegen die Festnahme gewehrt. Auch eine mitangeklagte Trunkenheitsfahrt, wenige Tage vor der Tat im Elektro-Markt, sei nicht "vorsätzlich", sondern "fahrlässig" begangen worden.

Kanev hielt deshalb eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung für den Vater dreier Kinder für ausreichend. Richter Heindl sah dies jedoch anders. Der Verurteilte wollte noch im Gerichtssaal Berufung einlegen. Zwischenzeitlich hatte er auch einmal seinem Verteidiger das Vertrauen entzogen und beantragt, diesem das Mandat zu entziehen. Diesen Antrag hatte er jedoch zurückgezogen.
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