Sicheres Bezahlen im Internet

Noch zum Weihnachtsgeschäft startet die deutsche Antwort auf das amerikanische Online-Bezahlsystem Paypal: Sie heißt Paydirekt und wird getragen von einer Allianz der deutschen Kreditinstitute: von den Volks- und Raiffeisenbanken über die Sparkassen bis hin zu den großen Geschäftsbanken wie Unicredit, Commerzbank und Deutsche Bank.

(cf) Rund elf Jahre nach dem Start der früheren Ebay-Tochter Paypal fordert nun ein Konsortium der deutschen Kreditwirtschaft den Marktführer mit dem neuen Produkt Paydirekt heraus - und verspricht einfaches, sicheres Online-Bezahlen nach strengen deutschen Datenschutz-Standards. "Es ist höchste Zeit, dass hier Deutschland eine Alternative bietet", sagt Hermann Ott, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Weiden. Die genossenschaftlichen Banken bringen in Bayern die meisten potenziellen Nutzer ein; allein in der mittleren und nördlichen Oberpfalz zählen die Volks- und Raiffeisenbanken mehr als 100 000 online-fähige Girokonten.

Auf einen persönlichen Kontakt in der Geschäftsstelle kommen inzwischen bei den Banken mehrere Hundert digitale Geschäftsvorgänge. Sogar in der mit schnellen Internetverbindungen nicht gerade gesegneten Region bewegt sich nach Informationen unserer Zeitung der Anteil der Onliner unter den Girokonten-Inhabern mittlerweile zwischen 40 und 60 Prozent: mit steigender Tendenz. "Niemand kann sich auf Dauer dem Online-Einkauf verschließen", betont Karl Völkl, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Neustadt-Vohenstrauß. Im Schnitt kaufen die Deutschen derzeit mindestens 19 Mal im Jahr im Internet für durchschnittlich 64 Euro: vor allem Bücher, Kleidung, Computer, Reisen und Flüge. Hinter Paydirekt steht die gesamte deutsche Kreditwirtschaft, einschließlich der Direktbanken, mit mehr als 50 Millionen online-fähigen Girokonten. Die Betreiber von Paydirekt versprechen mit "100 Prozent made and hosted in Germany" hohe Sicherheit durch deutsche Bankenstandards.

"Paydirekt geht über das eigene Girokonto - nicht über andere Länder", meint Ott. "Es gibt auch keinen Daten-Handel, sondern nur den reinen Bezahlvorgang", verweist Völkl darauf, dass es keinesfalls zur sogenannten "Warenkorb-Weitergabe" kommt. Der Online-Händler erhalte lediglich sein Geld, keinesfalls jedoch die Bankdaten des Kunden. Paydirekt verspricht einfache Handhabung durch Benutzername und Passwort sowie schnelles Bezahlen mit nur zwei Klicks. Jeder Bezahlvorgang wird per E-Mail oder durch Push-Nachricht in der App und im Transaktions-Kanal bestätigt. Die Vorstandsvorsitzenden Ott und Völkl versichern, dass für die Kunden der erste Ansprechpartner "die Hausbank vor Ort" sei. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken erfolgt übrigens die Registrierung für Paydirekt kostenlos. Auch der Handel soll mit Paydirekt günstiger fahren. Während Paypal annähernd zwei Prozent Provision vom Online-Handel kassiert, will sich Paydirekt mit rund der Hälfte bescheiden. Ott: "Wir garantieren auch für eine natürliche Person mit einem gedeckten Bankkonto, wo es mit rechten Dingen zugeht." Bei 12 500 Euro ist das Online-Bezahlen gedeckelt.

Start mit 200 Händlern

Paydirekt soll nach der Vorstellung der genossenschaftlichen Banken im November mit den 200 größten Online-Händlern starten. Weil sich die Sparkassen erst im Frühjahr zu einer Beteiligung an dem Projekt entschlossen, werden sie nicht vor 2016 an Paydirekt teilnehmen.
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