Sicherheit vor Gerechtigkeit

Zum Thema Unternehmensnachfolge begrüßte Wirtschaftsclub-Vizepräsidentin Cornelia Meichner (Mitte) die Referenten Wolfgang Graf zu Castell-Castell (rechts) und den Weidener Steuerberater Christian Gebell. Bild: Bühner

Für viele Mittelständler im Wirtschaftsclub Nordoberpfalz ist die Fragestellung von zentraler Bedeutung: Soll ich mein Unternehmen jetzt noch rasch auf meine Kinder übertragen, so lange das bisherige Erbschaftsrecht Gültigkeit hat?

(sbü) Wieder einmal stieß ein Vortragsabend des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz in der Max-Reger-Halle auf großes Interesse. Das Thema "Unternehmensnachfolge nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts" beschäftigt derzeit zahlreiche mittelständische Unternehmen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob bei Übertragung von Unternehmen auf die Nachfolgegeneration der Betrieb und seine Arbeitsplätze im bisherigen Umfang erhalten bleiben können. Noch gilt das bisherige Recht, das bei Fortführung der Firma im bisherigen Umfang das Betriebsvermögen weitgehend von der Besteuerung freigestellt hat. Doch spätestens ab Mitte des kommenden Jahres muss der Gesetzgeber dafür neue Regeln aufstellen.

Dass diese für manchen jungen Juniorchef, der den elterlichen Betrieb übertragen bekommt, Belastungen mit sich bringen, belegte am Vortragsabend Steuerberater und Fachberater für Unternehmensnachfolge Christian Gebell. Er empfahl, genau zu prüfen, ob Betriebsübergänge vorgenommen werden sollen, so lange noch das bisherige Recht gilt. Die Entscheidung fällt allerdings deshalb schwer, weil noch keine endgültigen Gesetzesentwürfe vorliegen.

Vermögen zusammenhalten

Bevor Steuerberater Gebell Details aus den vorliegenden Gesetzentwürfen erläuterte, wurde das Thema Unternehmensnachfolge auf ganz andere Art beleuchtet. "Über 26 Generationen mit Höhen und Tiefen ist das Castellsche Familienunternehmen zusammengehalten worden", berichtet Wolfgang Graf zu Castell-Castell. Landwirtschaft, Weinbau, Waldbewirtschaftung, Vermögensverwaltung und Privatbank seien die wesentlichsten Stützen des Traditionsbetriebs in Unterfranken. Graf zu Castell-Castell schilderte die 950-jährige Unternehmensgeschichte sehr anschaulich. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen aber stellte er den Grundgedanken "Das Vermögen muss immer zusammengehalten werden, und die Interessen des Einzelnen müssen zurücktreten". Dieser Grundsatz stehe auch vor der "Gerechtigkeit". Und er zeigte ein Bild eines Familientreffens mit rund 150 Personen: "Wenn das Unternehmen auf die alle aufgeteilt worden wäre, gäbe es uns längst nicht mehr."

Die Vorstellung des Traditionsbetriebs sollte am Abend eine Art Wertorientierung und Rahmen für das Thema Unternehmensübertragung darstellen. So konnte Steuerberater Gebell dann die Pläne des Gesetzgebers zur Neugestaltung der Erbschafts-und Schenkungssteuer vorstellen. Für kleine und mittlere Unternehmen bleibt es bei den bisherigen "Verschonungsregeln". Als Abgrenzung zum größeren Unternehmen gelten 20 Millionen Euro als "Erwerbswert". Dass ohne fachmännische Beratung jedoch Berechnungen über das begünstigte Vermögen, das Verwaltungsvermögen oder die Bedürfnisprüfung kaum möglich sein würden, war für die Zuhörer offensichtlich.
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