Sie, Herr Täter: So nicht!

Jeder kann einmal Opfer einer Gewalttat, eines Übergriffes oder eines Unfalls werden. Dann hofft er, dass ihn Mitmenschen beistehen. Dabei darf sich aber keiner selbst in Gefahr bringen, betonen die Polizeihauptkommissare Wilhelm Fritz (links) und Franz Völkl. Bild: Dobmeier

"Was geht's mich an? Was kann ich schon tun? Und sind nicht andere zuständig?" Es sind immer die gleichen Fragen und Einwände, mit denen sich Gaffer oder Wegducker rechtfertigen, bei einer Straftat untätig geblieben zu sein.

Es braucht mehr Zivilcourage, fordern die Polizeioberkommissare Wilhelm Fritz (Inspektion Weiden) und Franz Völkl (Bundespolizei Waidhaus) bei der Auftaktveranstaltung eines Sicherheitsseminars für Senioren im Maria-Seltmann-Haus. "senSiwen" heißt es. Und es zeigt: Gewalt ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Sie kann in Verkehrsmitteln und öffentlichen Räumen passieren. Als Zeuge hat man die Aufgabe hinzuschauen. "Aber man sollte sich selbst nicht in Gefahr bringen und Regeln beachten, wenn man bedrohten Personen helfen will."

Ein Film über die Bedrängnis eines Jugendlichen im Zug stellte den Einstieg in das Thema "Zivilcourage" im Seminar dar. "Wie kann ich helfen?", lautete die Frage. Um das Opfer sollte man sich kümmern. Wichtig sei, so erläuterten die Beamten, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Es gelte aber das Festnahmerecht für Jedermann bis die Polizei eintrifft, wenn ein Täter flüchten will.

Gut sei, nach weiteren Helfern zu suchen oder jemanden direkt anzusprechen. Als Nothilfe genüge ein lauter Schrei: "Lass mich in Ruhe", zum Beispiel. Das wecke Aufmerksamkeit. Oder es helfe, einen Notruf unter 110 zur Polizei per Handy abzusetzen und eine konkrete Ortsangabe zu machen. Beteiligte sollten den Täter nicht provozieren und ihn besser Siezen: Dies schaffe eine gewisse Distanz zum Täter. Auch ein Gespräch mit dem Opfer und dieses wiederum mit Du anzusprechen, verschrecke oftmals den Täter und bringe ihn zur Aufgabe oder Flucht.

Wie wichtig die Zeugenbeobachtung ist, stellte eine gespielte Situation dar, in der ein fremder Gast plötzlich im Saal des Maria-Seltmann-Hauses erschien, sich nach dem Vortragsinhalt erkundigte, um kurz darauf mit der herumliegenden Kamera des Referenten wieder zu verschwinden. Ganz unterschiedliche Aussagen zu Kleidung und Aussehen kamen hinterher bei der Personenbeschreibung zustande. Deshalb raten die Polizisten: Genaue Beobachtungen sollte man sich als Zeuge sofort aufschreiben. So könne der Täter später etwa bei einer Gegenüberstellung, dingfest gemacht werden.

Am Mittwoch, 30. September, findet im Zuge von "senSiwen" ein Erste-Hilfe-Kurs für Senioren statt- Hier lernen die Teilnehmer, wie sie sich verhalten sollen, wenn jemand mit Herzinfarkt zusammenbricht. Beginn: 14.30 Uhr im BRK-Haus. Der Eintritt ist frei.
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