Sie machen den Frieden

Besuch aus Israel an der FOS/BOS in Weiden: OB Kurt Seggewiß (hinten, Vierter von links) begrüßt die Gründer des jüdisch-arabisch-deutschen Projekts Shaul Hollander (Dritter von links) und Ali Ayoub (Fünfter von links). Mit dabei der Organisator des Projekts auf deutscher Seite, Pfarrer Herbert Sörgel, und FOS/BOS-Schulleiter Emil Gruber (links). Bild: sbü

Es ist jetzt schon das achte Treffen: Jüdische und arabische Jugendliche aus Israel kommen für gut eine Woche nach Flossenbürg und verbringen ein gemeinsames Freizeitprogramm. In diesem Jahr besuchten sie auch Weiden. Was in ihrem Heimatland so nicht möglich wäre, organisiert Pfarrer Herbert Sörgel zusammen mit seinen Freunden aus Israel. Die Vorgeschichte würde auch gut in einen Roman passen.

(sbü) "Wir machen den Frieden", sagen Ali Ayoub, Leiter einer arabischen Pfadfinder-Vereinigung, und Shaul Hollander, Sohn eines ehemaligen Flossenbürger Häftlings beim Pressetermin in der FOS/BOS. Zusammen mit zwölf jüdischen und arabischen Schülern und ihren Betreuern waren Ayoub und Hollander zu Schulleiter Emil Gruber nach Weiden gekommen. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß nahm an der Veranstaltung teil und war hell begeistert über das, was er sah und hörte.

"Zusammenkommen, das Wesen des anderen fühlen, seine Kultur kennenlernen und mit ihm kommunizieren, das wollen wir den jungen Menschen ermöglichen" lautet das gemeinsame emotionale Bekenntnis von Ayoub und seinem Freund Hollander. "Wir gehören zu den Alten, da ändert sich nicht mehr viel. Aber die Jugend muss die Chance zum Umdenken bekommen", sagen die beiden ebenfalls. Und sie erzählen ihre Geschichte.

Durch Zufall hatten sich Ayoub und Hollander bei einem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz getroffen. Beide standen damals noch im Beruf, Ayoub als Lehrer und Hollander in Diensten der israelischen Regierung. Ins Gespräch miteinander gekommen, waren sie sich schnell einig, dass Juden und Araber besser zueinander finden müssten. Und beide wollten ihren Beitrag dafür leisten. So entstand am Ende auf privater Basis ein Jugendprojekt, von dem sie sagen, dass es derzeit in Israel selbst nicht umgesetzt werden könnte: Jüdische und arabische Jugendliche, zwar alle mit israelischer Staatsangehörigkeit, aber aus unterschiedlichen Kulturkreisen, treffen sich in Flossenbürg. Moslems und Juden aus Galiläa und Haifa lernen sich kennen und schließen nicht selten Freundschaften.

Dass Flossenbürg Projektort wurde, ist auf Kontakte von Pfarrer Herbert Sörgel nach Israel und zu Angehörigen ehemaliger KZ-Häftlinge zurückzuführen. "Wir weigern uns, Feinde zu sein", das sei die einfach klingende Grundlage für das Projekt gewesen, erzählen Ayoub und Hollander. Zukünftig sollen die Stadt Weiden und ihre Schulen stärker in das Programm einbezogen werden. Über Gegenbesuche deutscher Jugendlicher in Israel und Beteiligungen weiterer Organisationen wollen die Veranstalter nachdenken. FOS/BOS-Studienrätin Johanna Grau hatte die Kontakte zu Pfarrer Sörgel und dem deutsch-israelischen Jugendprojekt geknüpft.

Für Oberbürgermeister Seggewiß ist das Projekt beispielgebend, nicht nur für das Zueinanderfinden von Juden und Arabern. In englischer Sprache begrüßte er die Teilnehmer dieses Friedensprojektes in Weiden und hob dessen besondere Symbolkraft hervor. Stadtbesichtigungen von Weiden und Regensburg, Mitwirkung an Gottesdiensten und Teilnahme an den Gedenkfeiern für Dietrich Bonhoeffer waren weitere Programmpunkte des Projekts. Untergebracht sind die Besucher bei Gastfamilien in Flossenbürg.
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