Sie sind Engel für Flüchtlinge

Der Kontakt bleibt für immer erhalten: "Marian und Mohamad gehören zu den allerersten Flüchtlingen, denen wir geholfen haben", sagt Jost Hess (rechts) bei seinem Besuch bei der ehemaligen Flüchtlingsfamilie. Bild: sbü

Alle reden von Integration. Doch nur wenige tun etwas dafür. Der Arbeitskreis Asyl gehört jetzt seit 30 Jahren zu denjenigen, die Flüchtlingen echte Hilfestellung bieten.

Weiden. (sbü) Man kann nur hoffen, dass dies noch viele Jahre so weitergeht. Wer setzt die Arbeit fort, wenn Ursula und Jost Hess irgendwann einmal die Kraft ausgeht, fragen sich viele. Zur Jubiläumsfeier kommen "Ehemalige" aus ganz Deutschland.

Jubelfeier am 21. Februar

"Bayern ist unsere Heimat, und in Weiden sind wir zu Hause. Ohne die Hilfe von Ursula und Jost Hess hätten wir das alles nicht geschafft." Diese Sätze formulieren Mohamad Elmoghrabi und seine Ehefrau Marian Elhaj. Sie stehen stellvertretend für Tausende von Flüchtlingen, denen geholfen wurde. Eine Statistik führten Ursula und Jost Hess und der Arbeitskreis Asyl in den 30 Jahren ihres Bestehens nicht. Doch längst sind die unermüdlichen Helfer über Weidens Grenzen hinaus bekannt geworden. Am Samstag, 21. Februar, wird das Jubiläum ab 19 Uhr im Evangelischen Vereinshaus gefeiert.

Dazu werden viele ehemalige Flüchtlinge aus ganz Deutschland anreisen. Sie alle sind längst integriert, stehen im Beruf und finden es ganz selbstverständlich, deutsche Staatsbürger zu sein. So wie Mohamad Elmoghrabi und Marian Elhaj. Das Ehepaar gehörte zu den allerersten, um die sich Ursula und Jost Hess vor 30 Jahren gekümmert haben. Die ehemaligen Palästinenser lebten schon als Flüchtlinge im Libanon, als die israelische Armee dort das Land besetzte und sie erneut fliehen mussten. "Es gab damals Massaker in den Palästinenser-Lagern Sabra und Schatila. Wir mussten um unser Leben fürchten", berichten die beiden.

"Im DDR-Flugzeug konnten wir 1985 ausreisen, durften aber nur eine Woche in der DDR bleiben." Über Schweden ging es dann mit ihren zwei Kindern nach Berlin, Zirndorf und schließlich Weiden. Vom ersten Tag an betreuten Ursula und Jost Hess die Familie. Untergebracht war sie bis 1989 auf 19 Quadratmetern im damaligen Asylbewerberheim in der Leimbergerstraße. Neun Jahre dauerte es, bis aus einer Aufenthaltsbefugnis über eine Aufenthaltserlaubnis endlich die Aufenthaltsberechtigung wurde. Alle Kinder, später sind noch zwei dazugekommen, waren in der Hausaufgabenhilfe des AK Asyl. Sohn Ehaab ist heute als 15-Jähriger noch dort. Ursula und Jost Hess erteilten Sprachunterricht, halfen bei den täglichen Besorgungen, kümmerten sich vor allem um Arbeit und Wohnung sowie die Behördengänge.

25 Jahre lang - bis vor wenigen Monaten - war Mohamad Elmoghrabi bei ATU in Weiden als Lagerist beschäftigt. Jetzt wartet er auf die Rente und hilft selbst "den Neuen" bei Behördengängen. Seit 2003 sind alle Familienmitglieder deutsche Staatsbürger - und sie wollen auch nicht mehr von hier weg. Die Geschichte der Palästinenser-Familie steht stellvertretend für sehr viele andere ehemalige Flüchtlinge, die längst in Deutschland integriert sind.

Karriere als Banker

Eines dieser vielen Beispiele ist Sham Lal Mehra. Er musste als Hindu 1994 zusammen mit seinen Eltern vor den Taliban aus Afghanistan fliehen. "Wir wurden verfolgt", erzählt er. Die Flüchtlingsfamilie kam damals nach Weiden und "in Kontakt zu Ursula und Jost", wie es der heute 28 Jahre alte ehemalige Schüler der Hausaufgabenhilfe beschreibt.

Sein Leben kam in die richtigen Bahnen: Deutschunterricht, Hauptschule, Realschule und Ausbildung zum Bankkaufmann. Heute arbeitet Sham Lal Mehra als Banker bei der Commerzbank in Frankfurt und betreut als "Relationship Manager" die vermögenden Auslandskunden. Und er sagte: "Ich habe unendlich viel vom Arbeitskreis Asyl bekommen. Dieses Modell sollte man kopieren und in andere Regionen übertragen. Vor allem sollte die Einrichtung nicht von Spendengeldern abhängig sein".
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