So schmeckt der Erste Weltkrieg

Vernissage ohne Sekt. Bei der Ausstellungseröffnung gab es nach Originalrezepten Kriegsbrot und Dorschensuppe. BIld: uz

Das bedeutete der Erste Weltkrieg für Weiden: bittere Armut für Frauen und Kinder daheim. Den Tod für die Soldaten an der Front. Viele waren selbst noch halbe Kinder. Berührt zitiert Stadtarchivarin Petra Vorsatz aus Jahresberichten der Schulen: "Viele sind direkt aus der Schule heraus in den Tod gezogen."

Unter großer Anteilnahme eröffnete sie mit Bürgermeister Jens Meyer am Donnerstagabend die Ausstellung "Weiden und der Erste Weltkrieg" im Stadtmuseum. Ein vierjähriger Vernichtungskrieg: sorgfältig aufbewahrt und präsentiert in Glasvitrinen und Bilderrahmen.

Beginnend vom Attentat auf den österreichischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, in Sarajevo beleuchtete Petra Vorsatz die Kriegsauswirkungen bis zur Novemberrevolution 1918 und Ausrufung der Deutschen Republik am 9. November. "Es war der umfassendste Krieg der Geschichte", sagte sie. Beteiligt waren 40 Staaten. Umfangreich sei die Ursachenforschung. "Wahrscheinlich war das unversöhnliche Machtstreben der europäischen Großmächte der Auslöser." Der ursprünglich auf Europa begrenzte Krieg habe sich später in die Kolonien, nach Afrika, auf hohe See und in den Nahen Osten ausgedehnt. "Aber auch auf die Heimatfront." Hunger, Enttäuschung über den zähen Kriegsverlauf und das Massensterben an der Westfront drückten auf die Gemüter.

Die Ausstellung sei im Andenken an den ehemaligen Lehrer Gerhard Bauer erstellt worden. Bauer, leider in diesem Jahr verstorben, ist Autor des Buchs "Weiden, eine kleine Stadt im großen Krieg". Die Ausstellung zeigt historische Dokumente, wie das Telegramm an die Stadt über den aktuellen Kriegszustand an der Front, Feldpost und sogar eigene Kriegskochbücher. Sie präsentiert aber auch Stücke aus dem Fundus des Stadtmuseums: Militaria, wie Uniformen, Pickelhauben, Orden.

Vor allem beleuchtet sie aber Einzelschicksale. "Wir dokumentieren das Leiden in den Familien." Petra Vorsatz: "Wir haben Listen mit den Kriegsteilnehmern aus den einzelnen Familien. Bis zu sieben Söhne aus einer Familie mussten einrücken."

Die meisten Exponate stammen aus den Beständen des Stadtmuseums und Stadtarchivs. Einige wurden von Privatleuten zur Verfügung gestellt: Helga Bock, Raimund Karl, Hans Lehner, Werner Stich, Peter Neuper, Minas Waldhier, Hans-Jürgen Rudnik, Heinz Müller und Werner Wilzek. In der Stadtgalerie im Erdgeschoss zeigt Mathilde Rippl 100 Jahre alte Fotografien ihres Vaters Hermann Tannich, die deutsche Soldaten im Nahen Osten zeigen. Gutsbesitzer Tannich aus Mähren kämpfte für die K.u.K.-Monarchie in Palästina. Die Fotoausstellung wird vier Wochen gezeigt. Die große Ausstellung läuft bis Januar.
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