Sofort in die Psychiatrie

Ich werde dich umbringen." Das schrie der Angeklagte Avni S. seinem Opfer hinterher, als es aus der Wohnung floh. Eben dies befürchtet das Gericht. Entsprechend fiel das Urteil am Freitag im Prozess wegen Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und Körperverletzung aus.

Die 1. Große Strafkammer musste den 29-Jährigen aufgrund des psychiatrischen Gutachtens zwar freisprechen. Aber Avni S. wurde mit sofortiger Wirkung in der Forensik des Bezirkskrankenhauses Regensburg untergebracht. Unbefristet - wenn auch eine Entlassung regelmäßig geprüft werden muss. Landgerichtspräsident Walter Leupold kündigte an, das Urteil so zu begründen, dass für die Behandlung "sehr lange Zeit" erforderlich ist. "Um den Mann, der heute hier verurteilt wird, auf die Menschheit loszulassen, muss schon viel geschehen."

Nach Überzeugung des Gerichts erlebte die Frau die "Hölle auf Erden", nachdem sie sich nach seiner Haftentlassung wieder von ihm "einwickeln" und in die Wohnung mitnehmen ließ. Immer wieder habe er ihr mit dem Tod gedroht: hielt ihr eine Pistole an den Kopf, eine Schere an den Hals, zog sie an den Haaren herum, trat und prügelte mit Schürhaken und Schlagstock. "Es gruselt einen." Die Schilderung des Opfers sei absolut glaubhaft und durch Zeugen belegt. "Dagegen hat der Angeklagte hier munter drauflos gelogen." Leupold erinnerte an die "erstaunlichen" Aussagen der Verwandten:"Die Wahrheit war da nicht Zuhause."

"Regime des Schreckens"

Als "jenseits jeder Vorstellungskraft" bezeichnete Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf die Taten. "Fast einen Monat ist das Opfer in einem ständigen Regime des Schreckens terrorisiert, beleidigt, gedemütigt und unter Kontrolle gehalten worden." In diesem Klima der Gewalt habe Sex nicht freiwillig stattgefunden: "Das Muster war: Würgen, Schlagen, Geschlechtsverkehr." Avni S. sei allgemeingefährlich: "Das muss man in aller Deutlichkeit sagen."

Auf die üble Nachrede des Angeklagten im Prozess ging Nebenklagevertreterin Anne Brünnig ein. "Er hat die Sachverhalte pervertiert. All das diente nur dazu, das Opfer erneut zu demütigen." Auf Zeugen sei enormer Druck ausgeübt worden. "Erst durch massives Eingreifen des Gerichts kam die Wahrheit ans Licht." Der Angeklagte habe gesagt, er habe nur Respekt vor Allah und seinem Vater. "Er hat Zuhause nichts anderes als Schlagen gelernt." Warum sich die Frau diesem Mann zugewandt habe, erkläre sich durch ihre Geschichte. Sie leide noch immer an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, Kehlkopf und Kiefer sind verschoben. "Die Erinnerung einer geschundenen Seele hört nie auf."

Wahlverteidiger Richard Müller wollte für seinen Mandanten nur eine zweijährige Therapie in einer Entzugsklinik: "Was soll er in der Psychiatrie? Die Psychose ist doch weg." Die Psychose war laut Psychiater durch Haschisch und Crystal verursacht und abgeklungen. Pflichtverteidiger Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn zweifelte an den Tatbeständen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung. "Die Wohnung hat Fenster zur Straße, die sie hätte öffnen und um Hilfe schreien können." Dazu kamen Arzt- und Beratungstermine, bei denen sie sich hätte anvertrauen können. Er plädierte auf eine Aussetzung der Unterbringung auf Bewährung.

Das Urteil verfolgte der Familienclan des Angeklagten: Vater, Brüder, Schwägerinnen nahmen im Saal per Handschlag Abschied von Avni S., ehe der mit dem Aufzug zur "grünen Minna" gebracht wurde. Auf dem Gang diskutierten die Angehörigen noch lange das Urteil. Wenige Schritte entfernt informierten die Eltern des Opfers ihre Tochter über den Ausgang des Verfahrens. Die bildhübsche 29-Jährige war zur Urteilsverkündung in die Justiz gekommen.
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