Sogar Anerkennung tut so weh

So sieht abgrundtiefe Enttäuschung aus: Thomas Binner, Sportlicher Leiter der SpVgg SV Weiden, verharrte nach dem verlorenen Elfmeterschießen die Hände vors Gesicht geschlagen auf der Weidener Bank. Bild: Eger

Freud und Leid liegen im Fußball nah beieinander. Wie nah musste die SpVgg SV Weiden leidvoll erfahren. Die Niederlage im Toto-Pokal-Finale hätte unglücklicher nicht ausfallen können. Noch am Tag danach hatten Spieler und Verantwortliche an dem Negativerlebnis schwer zu knabbern.

(af) Einer, der noch am Mittwochabend im Schockzustand verharrte, war Thomas Binner. Der Sportliche Leiter saß nach dem mit 5:6 verlorenen Elfmeterschießen auf der Weidener Bank. Regungslos und das Gesicht in den Händen vergraben. Dann endlich, nach eineinhalb Stunden, kam Bewegung in die Glieder. "Ich bin in Beckenbauer-Manier über den leeren Platz gegangen, dann habe ich ein Glas getrunken", berichtet Binner. Eine Frustbewältigung der besonderen Art.

Mit seiner "riesengroßen Enttäuschung" war Binner nicht alleine. "Ich habe ganz schlecht geschlafen", gab Trainer Christian Stadler am Donnerstag zu. Bis zur 84. Minute hatte seine Mannschaft mit 2:0 geführt und wie der sichere Sieger ausgesehen - um den Pokalsieg im Elfmeterschießen doch noch aus der Hand zu geben.

"Das geht einem nahe. So eine Niederlage ist schlimmer als ein 0:4", offenbart Stadler seine Gefühle. Seiner Mannschaft könne er rein gar nichts vorwerfen. Spielerisch habe man mit dem Drittligisten Unterhaching mitgehalten, genügend Chancen für einen Sieg erarbeitet. Für den spielentscheidenden Einbruch in der Schlussphase mit dem Hachinger Ausgleich zum 2:2 hat Stadler Erklärungsansätze. "Um die Defensive zu verstärken, fehlten mir ganz einfach die Spieler auf der Bank. Vielleicht haben nach dem Anschlusstreffer auch die Nerven eine Rolle gespielt", mutmaßt Stadler.

Mit Ursachenforschung will sich der Trainer aber nicht lange aufhalten. "Das war ein Alles-oder-Nicht-Spiel. Und wir haben es verloren." Dass der Gegner die Spielstärke der Weidener über den grünen Klee lobte, freut Stadler nur bedingt. "Unterhaching ist eine sympathische Mannschaft. Ich wünsche ihnen einen Top-Gegner im DFB-Pokal", meint Stadler. "Aber so aufmunternde Worte tun einem noch mehr weh."

Mehr Freude als Schmerz verspürt dagegen Kurt Haas. "Das Pokalfinale war Werbung für unseren Verein und die Stadt Weiden", stellt der SpVgg-SV-Vorsitzende fest. Zufriedene Zuschauer, Komplimente von den Verbandsfunktionären für eine tolle Organisation - besser hätte es an diesem Abend kaum laufen können. Wenn da nicht das Ergebnis gewesen wäre. 140 000 Euro Gage für den DFB-Pokal-Einzug gingen in den letzten Spielminuten einfach den Bach hinunter. "Wir hätten gar keine Ahnung gehabt, was wir mit dem Geld machen sollen", scherzt Haas. Immerhin: Die Hachinger haben schon mal eine Entschädigung versprochen. Präsident Manfred Schwabl stellte Haas ein großes Kartenkontingent bei ihrem Heimspiel im DFB-Pokal in Aussicht. Ein kleines Glücksgefühl im Schockzustand.
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