"SPD-Kind" an CSU-Kandarre

Auf sie kommt wohl mehr Arbeit zu. Florian Graf und Theresa Sowa vom Jugendzentrum, SJR-Vize Sabine Graßl sowie Katharina Glaser (vorne, von links) von der Geschäftsstelle verfolgten die Diskussion im Stadtrat. Und hörten, dass der Jugendring das Schülercafé mitbetreiben soll. Bild: wsb

Kann der Stadtjugendring neben dem Jugendzentrum auch das Schülercafé betreiben? In der vergangenen Woche winkte Geschäftsführer Zenger noch ab. Jetzt sagt er Ja - aber nicht bedingungslos.

SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter schilderte das Schülercafé zwar als "Kind der SPD", doch im Stadtrat setzte sich die Linie der CSU durch. Fraktionschef Wolfgang Pausch (CSU) forderte "Jugendarbeit aus einer Hand". Sprich: Die Stadt solle dem Jugendring die Verantwortung über das Schülercafé übertragen, der SJR dafür die vierte Sozialpädagogen-Stelle behalten. Kürzungen seien insgesamt unumgänglich: "Jugendarbeit wird auch viel in den Vereinen gemacht", sagte Pausch. "Dort hatten wir auch den Mut zu kürzen."

Traut sich der Jugendring die Übernahme des Schülercafés überhaupt zu? Allenfalls "mittel- bis langfristig", erklärte Jugendpfleger Ewald Zenger zuletzt im Kinder- und Jugendhilfeausschuss. Die jüngste Entwicklung beurteilt er als "positive Herausforderung": Laut Zenger will der Jugendring gerne nach Lösungen suchen, um beide Einrichtungen, Juz und Schülercafé, gut zu führen. Bei gleichbleibender personeller Besetzung - vier Sozialpädagogen - sei dies aber nicht zu leisten.

Der Stadtratsbeschluss vom Montag bedeutet auf jeden Fall, dass das Kolping-Bildungswerk als Betreiber des Schülercafés ausscheidet. Sozialdezernent Hermann Hubmann bescheinigte ihm "sehr erfolgreiche Arbeit": "Das ,Scout' wird als Jugendtreff angenommen." "Zufriedenheit" mit dem bisherigen Betreiber äußerte auch Richter. In den vergangenen beiden Jahren sei "Dynamik hineingekommen". Dennoch unterbreitete Richter einen Sparvorschlag: Auf die Küchenkraft solle das Kolping-Bildungswerk künftig verzichten. Denn Essensangebote gebe es nun auch direkt in den Schulen. Wie Hubmann einwandte, handelt es sich bei der Verpflegung allerdings um einen "wichtigen Türöffner" für die Einrichtung.

Nach Ansicht der Bürgerliste kann sich die Stadt das gesamte Schülercafé (Förderbedarf: rund 150 000 Euro in zwei Jahren) sparen. Rainer Sindersberger verwies auf die Ganztagsbetreuung in den Schulen, die Jugendliche vom Besuch des Treffs mehr und mehr abhalte. Die 38 Besucher pro Tag, welche die Einrichtung zählt, schätzte Sindersberger als relativ magere Zahl ein. Veit Wagner (Grüne) appellierte dagegen, dem Nachwuchs in der Stadt ein Signal zu geben: "Die Jugend ist uns wichtig."

"Völlig neue Stelle"

Gegen den Pausch-Vorschlag, Schülercafé und "vierte Stelle" beim SJR zu verquicken, wandte sich nicht zuletzt Lothar Höher. "Das wäre eine völlig neue Stelle", sagte der Bürgermeister. Brigitte Schwarz (SPD) hielt dem CSU-Fraktionschef gar vor, "erpresserisch" zu agieren. Und Gerald Bolleininger sprach von einer "Milchmädchenrechnung" der CSU. "Der Stadtjugendring kann's nicht machen", zeigte sich Dr. Matthias Holl (SPD) überzeugt.

Der Beschluss hält letztlich mehrere Wege - und Fragen - offen. Dabei setzte sich eine Mehrheit aus CSU-, Bürgerliste- und Grünen-Räten durch: Mit 19:21 Stimmen lehnten sie den Verwaltungsvorschlag ab, die Betriebsführung des Schülercafés für zwei weitere Jahre auszuschreiben. Pausch hält es für zulässig, dass die Stadt dem Jugendring die Aufgabe ohne Ausschreibung übertragen kann - auch wenn Rechtsexperte Hubmann hier mehrmals widersprach. Richter jedenfalls hielt der Mehrheit vor: "Damit haben Sie das ,Scout' beerdigt."
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.