SPD-Senioren: Waidhauser Bürgermeisterin spricht über Historie ihres Marktes
Geschichte von der Grenze

Die Waidhauser SPD-Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger. Bild: Dobmeier
Einen Blick nach Osten warfen die SPD-Senioren: Die Arbeitsgemeinschaft 60plus hatte die Bürgermeisterin von Waidhaus, Margit Kirzinger, zu einem Vortrag ins "Bräustüberl" geladen. Dort stellte die Sozialdemokratin nicht nur die Geschichte des Marktes vor.

Kürzeste Verbindung

Die Grenze: Sie prägt Waidhaus schon seit Jahrhunderten. Während heute die "Via Carolina", die Autobahn A 6, die kürzeste Verbindung von Nürnberg nach Prag darstellt und Waidhaus passiert, war es früher auch Trennendes, was den Mark prägte. Wie Kirzinger erläuterte, waren es Oberpfälzer und Bayerischer Wald, die eine natürliche Grenze zwischen Ost und West bildeten. Grenzverkehr gab es aber natürlich trotzdem.

Im 14. Jahrhundert führte eine Handelsstraße auf Anordnung von Kaiser Karl IV. über Weiden und Bärnau. Die wesentlich kürzere Strecke über Waidhaus, die nach wie vor beliebt war, nannte man während dieser Zeit die "Verbotene Straße". "Seit dem frühen Mittelalter lebte Waidhaus von der Grenze und den Reisenden", erläuterte Kirzinger, die auch stellvertretende Landrätin ist.

Die Ortsdurchfahrt passte sich perfekt auf die Bedürfnisse der Reisenden und Händler an: Es entstanden Brunnen und Wasserstellen für das Vieh, angeboten wurden passende Dienstleistungen und Beherbergungen. Um 1900 erzielte der Markt gute Einnahmen aus dem Pflasterzoll, den alle Durchreisenden bezahlen mussten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein Flüchtlingsstrom aus dem Osten ein. Dann folgte die Schließung der Grenze, umfangreiche Sicherungsanlagen entstanden, der "Eiserne Vorhanges" zog sich zu. Bis 1954 war Waidhaus der einzige Übergang ins Nachbarland. Auch später durften Offizielle und Sportler nur über Waidhaus ausreisen. In der Folge zählten Diplomaten zu den Gästen und Kunden des Marktes, auf die sich Handel und Gastronomie des Grenzortes einstellten.

Daneben entstanden Arbeitsplätze bei Zoll, Polizei und Bundesgrenzschutz sowie weitere bei Speditionen. Eine harte Zeit kam laut Kirzinger mit der Niederschlagung des Prager Frühlings, als die amerikanische Armee im Markt aufmarschierte.

Eine neue Zeit

Mit dem 23. Dezember 1989 brach eine neue Zeit an. Der trennende Zaun fiel. Die Grenzgemeinde half danach den DDR-Flüchtlingen, so gut sie konnte mit Unterkünften und Verpflegung. Waidhaus zählt mit allen Ortsteilen aktuell 2224 Einwohner. Heute gibt es grenzüberschreitende Freundschaften zwischen Sportvereinen, Musikschulen und Gemeindepartnerschaften. Passend dazu verwies Kirzinger auf die derzeit laufende Ausstellung "Waidhauser Grenzgeschichten" im Rathaus.

Ursula Kinner, Vorsitzende der SPD AG 60plus, erinnerte an die Fahrt nach Erbendorf am Mittwoch, 15. April, zur Firma Seltmann. Abfahrt ist um 13.30 Uhr am ZOB.
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