Spezialist für Verfassungsrecht

Weidener Jugendfreunde erinnern sich gerne an den einstigen Pfadfinder und Discjockey Karl (Charly) Huber. Rechts der Präsident des Lions Clubs Weiden, Hans-Peter Lang, der unter den vielen Zuhörern auch die befreundeten Serviceclubs und zahlreiche Juristen begrüßte. Bild: Wilck

Obwohl er Weiden schon als 17-Jähriger beruflich verlassen hat, kehrt Dr. Karl Huber immer gern zurück. "Die Stadt ist auch nach 50 Jahren noch meine Heimat." Bayerns oberster Richter a. D. legte beim Lions Club einen "juristischen Schnellritt" durch das Verfassungsrecht hin.

Weiden. (cf) 400 Vertreter des öffentlichen Lebens verabschiedeten Huber in der Münchener Residenz am 28. Februar - an seinem 67. Geburtstag - in den Ruhestand. Auf der Ochsentour des zweiten Bildungswegs hatte Karl Huber eine steile berufliche Karriere hingelegt: vom städtischen Polizeibeamten im mittleren Dienst zum Generalstaatsanwalt, Präsidenten des Oberlandesgerichts München und schließlich zum Präsidenten des bayerischen Verfassungsgerichtshofs (VGH). Dieses Spitzenamt bekleidete er zehn Jahre.

"Spannend, anstrengend und erfüllend" nannte Huber die Jahrzehnte bei der Justiz. Der Spitzenjurist gestand bei dem Vortrag am Dienstagabend in der Max-Reger-Halle aber auch das Gefühl der "Erleichterung" ein, nun nicht mehr die Verantwortung für andere tragen zu müssen.

Der gebürtige Weidener erinnerte daran, dass die bayerische Verfassung älter als das Grundgesetz sei: Auch wenn der autonome Freistaat dann nie der verfassungsrechtlichen Wirklichkeit entsprochen habe und später sogar vom europäischen Gemeinschaftsrecht überlagert worden sei. Huber betonte das - im Gegensatz zum Grundgesetz - plebiszitäre Element der bayerischen Verfassung, nämlich die dem Parlament gleichgestellte Volksgesetzgebung über den Volksentscheid. Auch beim Denkmal- und Landschaftsschutz sei die Verfassung des Freistaats früh "ziemlich weit vorne" gelegen.

Als "bayerische Besonderheit" stellte Huber die Popularklage mit jährlich etwa 20 Verfahren heraus. "Bei fast jeder umstrittenen, wichtigen Rechtsvorschrift wird zur Popularklage gegriffen." Von den insgesamt 1400 Klagen waren immerhin 11 Prozent erfolgreich. Karl Huber rief die Verfassungsgerichte zur Selbstbeschränkung auf: "Ob der Gesetzgeber, also ein Parlament, töricht oder nicht entschieden hat, darf nicht Sache der Richter sein, sondern hat der Wähler in der Hand." (Seite 5)
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