"Sport für den Geist"

Der pensionierte Deutschlehrer Friedrich Denk (rechts) hielt ein Plädoyer für das Lesen. Kepler-Schulleiter Rolf Anderlik und Anna-Veronika Zöller von der Fachschaft Deutsch bedankten sich für den Vortrag. Bild: Dobmeier

Es sind nicht einfach nur Buchstaben. Und man nimmt nicht einfach nur Informationen auf. Texte sind viel mehr, lautet das Credo von Autor Friedrich Denk, der am Kepler-Gymnasium ein leidenschaftliches Plädoyer für das Lesen hielt. Und erklärte, warum man sich auch die folgenden Zeilen zu Gemüte führen sollte.

"Was Sport für den Körper ist, erfüllt das Lesen für den Geist." Wer liest, übt sein Gedächtnis, lernt, sich besser zu artikulieren, lernt das Schreiben und Erzählen. Allerdings ist all das durch den Wandel des Medienkonsums in Gefahr. Das erklärte Referent Friedrich Denk seinen Zuhörern am Kepler-Gymnasium. Am Vormittag hatte er schon den Schülern seine Thesen vorgestellt. Am Abend waren dann alle Leser zu seinem Vortrag geladen.

Organisiert hatte die Auftritte die Fachschaft Deutsch. Zusammen mit Schulleiter Rolf Anderlik hieß Anna-Veronika Zöller den ehemaligen Deutschlehrer willkommen, der auch als "Rechtschreibrebell" bekannt gewordenen ist (ein Zitat: "Warum soll ich ,muss' mit vier Buchstaben schreiben, wenn ich es mit drei kann?"). Denk referierte aus seinem Buch "Wer liest, kommt weiter". Ein Titel, der an diesem Abend Programm war.

An erster Stelle

Es komme nicht von ungefähr, dass in weltweiten Untersuchungen an erster Stelle die Lesekompetenz als entscheidendes Kriterium für das Verständnis in allen Fächern gelte, erläuterte Denk. Wer eine Textaufgabe nicht erfassen könne, sei verloren. Weder der Philosoph Seneca, noch Johannes Kepler und Hans Joachim Schädlich seien Schriftsteller geworden, ohne vorher Leser gewesen zu sein.

Der pensionierte Deutschlehrer, der zuletzt in Weilheim unterrichtet hatte, gründete dort die "Weilheimer Hefte zur Literatur" und organisierte mehr als 200 Lesungen für über 60 Autoren. Er lobte auch die Weidener Literaturtage. Diese könnten durchaus ein Gegenmittel zu einem immer drängenderen Problem sein: Denn heute ende Medienkunde bei vielen Schülern beim Smartphone, das regelrecht ein Suchtmittel sei. Wobei es Wandel in der Medienwelt schon lange gab. Als Stichpunkte nannte Denk die 1450 entstandene Buchdruckkunst. 1850 folgte die Fotografie. 1890 kamen die ersten bewegten Bilder.

Bewegung sei das, was den Menschen interessiere - vor allem die Männer, was womöglich mit dem Jagdtrieb zusammenhänge. Und immer mehr bedient werde. Etwa im Fernsehen, insbesondere von den privaten Sendern. Und inzwischen auch von Computern. Diese bewegenden visuellen Medien köderten vermehrt die Jungen. Das habe Folgen: Laut Studien machten 20 Prozent mehr Mädchen Abitur.

Zuhören, Sprechen, Denken, Lesen und Schreiben - das seien zentrale Fähigkeiten, die den Menschen von anderen Kreaturen unterscheiden. Der Mensch sei ein dialogisches Lebewesen, das einen "Logos", also Vernunft und Sprache, habe, um den Mitmenschen zuzuhören und zu sprechen. Wer lese, sammle Buchstaben und trainiere das Gedächtnis. Denk empfahl, alles Gedruckte zu lesen - von Büchern bis zu Zeitungen. Sein Resümee: Wer liest, lernt. Und wer lernt, kommt höher und einfach weiter.
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