St. Josef beherbergt 14-jährigen Eritreer - Pfarrer Schmid: "Eine Bereicherung für uns"
Zuflucht im Pfarrhaus

Im Pfarrhaus St. Josef lebt derzeit der 14-jährige Flüchtling Selemawi (von links). Pfarrer Markus Schmid kennt dessen Bruder Million schon länger. Die Aufnahme des Jugendlichen sei zwar fast eine Selbstverständlichkeit, sagt Schmid, aber eben auch ungemein bereichernd. Er hoffe deshalb, dass auch andere überlegen, Jugendliche aufzunehmen: seien es Flüchtlinge oder junge Deutsche, für die ebenfalls oft Pflegeeltern gesucht werden. Bild: Huber
Draußen schiebt sich der Berufsverkehr über die Allee. Aber hier oben, im zweiten Stock des Pfarrhauses St. Josef, dämpfen die Mauern den Lärm. Selemawi hat es still und friedlich in seinem neuen Zuhause. Größer könnte der Kontrast zu den Monaten davor nicht sein.

Der Junge mit dem Lockenkopf stammt aus Eritrea. Vor wenigen Tagen hat ihm Stadtpfarrer Markus Schmid die Tür zu dem Gästezimmer des Hauses aufgesperrt. Selemawi soll dort bleiben, bis sich ein Platz für ihn findet in einer der betreuten Unterkünfte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bis dahin soll er auch Ruhe finden. Selemawi war ohne Familie auf der Flucht. Sieben Monate lang, ein 14-Jähriger. Als er durch Äthiopien kam, packte ihn schweres Fieber. Danach ging es mit dem Lkw durch die Sahara. In Libyen haben sie ihn dann gekidnappt, Lösegeld erpresst. Später die Überfahrt im Boot nach Lampedusa, weiter nach Rom und von dort schließlich im Zug nach Deutschland. So erzählt es Selemawi.

Monatelang gebangt

"Wir haben all die Monate mit ihm gebangt", sagt Pfarrer Schmid. Er wusste von dem, was der Junge durchmachen musste, weil Selemawis älterer Bruder Million da schon in Weiden war und die Geschwister immer wieder telefonierten. Der 18-jährige Million war über die gleiche Fluchtroute gekommen und lebt inzwischen im Camp Pitman. Zu Hause, in Eritrea, hätten auf ihn zwangsweise viele Jahre im Militär gewartet, Unterdrückung. "In Eritrea gibt es keine Freiheit, gibt es für mich keine Zukunft", sagt er. Also verließ er die Eltern und floh nach Deutschland.

Hier traf er Schmid, schaut, wie andere Flüchtlinge auch, inzwischen regelmäßig in der Pfarrei vorbei. Dass Million Christ ist, mag die Verbindung stärken. Aber die Religionszugehörigkeit sei hier nun wirklich nicht ausschlaggebend, sagt Schmid. So wie es dann einfach "naheliegend" war, dass St. Josef Selemawi aufnimmt, als klar wurde, dass er seinem Bruder folgen würde. Eine Entscheidung, die Schmid zuvor mit den anderen Verantwortlichen in der Pfarrei abgesprochen hatte. Widerspruch habe es nicht gegeben. Im Gegenteil. Der Kontakt mit Flüchtlingen sei für alle hier wertvoll. "Das ist eine Bereicherung für uns."

Neue Aufgaben

Schmid hat dadurch erst einmal ganz neue Aufgaben. Es warteten zahlreiche Ämtergänge, die Helfer in der Pfarrei mussten das Zimmer zumindest sporadisch einrichten. Dass es das wert ist, daran zweifle er aber überhaupt nicht. Schon allein der Moment, als die beiden Brüder nach all den gefährlichen Monaten wieder zusammen waren: "Wie Ostern und Weihnachten zusammen."

Dass Selemawi in der Nähe seines Bruders bleiben könne, sei nun das erste Ziel. Das nächste: den 14-Jährigen in der Schule unterbringen. Nachmittags will der Junge zusätzlich Deutschkurse belegen. Schreiner möchte er einmal werden. Bruder Million fasst die Träume der beiden ganz knapp zusammen. Sie wünschen sich "einen Pass, dann die Schule fertig und dann arbeiten. Und leben".
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