Stadt schaut in die Röhre

Die Experten der Schnurrer Kanaltechnik GmbH schicken ihre Satellitenkamera in den Rehmühlbach. Aufmerksam beobachten (von links) Diplomingenieur Manuel Zwick, Bachelor Emmerich Lukas (ebenfalls Zwick-Ingenieure), Tiefbauamtsleiter Hubert Grillmeier sowie Bauaufseher Udo Geißner die Arbeiten. Bild: Götz

Seine Bedeutung für die Innenstadt hat der Rehmühlbach längst verloren. Er "speist" noch die Kraftwerksturbine der ehemaligen "Schindlersäge". Doch als Löschwasserlieferant ist er nicht mehr gefragt. Aber, er war den Anliegern oft im Weg. Deshalb verrohrten sie ihn im Stadtzentrum. Nun schaut die Stadt in seine Röhren.

Nur auf den ersten Kilometern nach dem "Abzweig", dem kleinen Wehr an der Schweinenaab, draußen an der einstigen Deponie in Weiden-West, kann sich der Rehmühlbach "frei bewegen". Immer wieder wird das insgesamt 4,8 Kilometer lange Gewässer in ein Rohr gezwungen. Und auf den letzten 700 Metern - von der Kettelerstraße bis zur Einmündung in den Stadtmühlbach - verläuft er gänzlich unter Tage. Häuser stehen auf seinem "Bachbett", über das auch Gehsteige und Straßen gelegt sind. Der Bach wird zum "Kanal" und der wird nun weiter detailliert untersucht.

Einst künstlich angelegt

Bauaufseher Udo Geißler, Sachbearbeiter Gewässerunterhalt, kennt die wechselvolle Geschichte des Rehmühlbach. Im 15. Jahrhundert haben ihn die Bürger künstlich angelegt, auch um das Wasser durch das Alte Rathaus zu führen und damit Löschwasser in der "brandgefährlichen Altstadt" zu erhalten. Um 1900, mit der Bebauung der heutigen Kettelerstraße, veränderte man wieder seinen Lauf weit nach Westen. Verrohrt fließt er über die Braunmühl-, Bürgermeister-Prechtl-/Sedan-/Weißenberg- und Leibnizstraße.

Manch Weidener bedauere noch heute, dass der Bach beim Bau der Fußgängerzone nicht wieder ins alte Bett zurückgeholt wurde, meint Geißner. "Ein offener Bach im Alten Rathaus und auf dem Marktplatz? Das wäre schon schön." "Aber auch gefährlich", entgegnet Tiefbauamtsleiter Hubert Grillmeier, der dabei ist, den Zustand des Baches für die Planung künftiger Instandsetzungsmaßnahmen zu erfassen.

Bereits vor zwei Jahren ließ Grillmeier den Bestand und den Zustand der verschiedenen Abschnitte des verrohrten Baches ermitteln. Dabei stellten die Experten fest, dass beim Bau des "Kanals" unterschiedliche Profile (rechteckig, rund), Dimensionen (um einen Meter) und Baustoffe (Granit, Feldsteine und Backstein)" verwendet wurden. Gerade dies, betont Grillmeier, mache den Unterhalt sehr aufwendig. Das Tiefbauamt verwaltet übrigens insgesamt rund 80 Kilometer Bachläufe, sogenannte Gewässer dritter Ordnung.

Seit gut einer Woche ist das Wasser abgesperrt, Das freie Sichtfeld - wenn auch im Dunkeln - ist damit geschaffen. Meter für Meter untersucht die Schnurrer Kanaltechnik GmbH das Innere des "Kanals. Eine vierrädrige Satellitenkamera fährt über die Schachtbauwerke in die einzelnen Rohrabschnitte ein und liefert Videos und Daten. Besonders in den Fokus nimmt sie die Einleitungen. "Fast bis hin zum Fallrohr der Dachrinne", meint Dipl.-Ing. Manuel Zwick. 48 "Anschlüsse" sind bisher bekannt. Aber gibt es weitere, und welche sind noch aktiv, in welchem Zustand sind sie, welche können, welche müssen saniert oder auch geschlossen werden? All diese Fragen soll das Büro Zwick-Ingenieure beantworten, das mit der Planung und Bauleitung beauftragt ist.
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