Stadt widerspricht Vorwürfen: Hygiene-Regeln nur für "sensible Bereiche" - Mehrzweckhalle ...
Mitarbeit der Flüchtlinge willkommen

Die "Notunterkunft Mehrzweckhalle" dürfte mittlerweile ausgebucht sein. Am Montagabend sollte ein weiterer Bus mit Flüchtlingen ankommen. Unterdessen gibt es Irritationen unter den freiwilligen Helfern: Bei welchen Arbeiten dürfen die Asylbewerber mit anpacken - und bei welchen nicht? Und warum eigentlich nicht? Bild: Steinbacher
Alles nur ein großes Missverständnis? In einem Brief an den NT beklagt Sandra Maschke eine "Paragrafenreiterei" der Stadt (siehe auch Samstagsausgabe): Flüchtlinge, die in der Notunterkunft Mehrzweckhalle gerne mithelfen würden, dürften nicht. Verantwortliche der Stadt, so berichtet die ehrenamtliche Helferin, machten "hygienische Regeln" geltend. Jetzt reagieren die Angesprochenen auf die Vorwürfe - "mit Befremden und Entsetzen", wie Nicole Hammerl vom Rechtsamt erklärt: "Wir wissen nicht, wie Frau Maschke zu solchen Erkenntnissen kommt. Eine solche Weisung gibt es nicht."

Gut so. Denn die Arbeit, die sich auf möglichst viele Schultern verteilen soll, wird immer mehr. Erst am Montagabend erwartete die Stadt einen weiteren Bus mit Flüchtlingen, die Quartier in der Mehrzweckhalle beziehen sollten. Damit wäre die Notunterkunft mit rund 200 Menschen jetzt nahezu voll belegt.

"Keine Anweisungen"

Um die ehrenamtliche Hilfe besser koordinieren zu können, trafen sich Freiwillige des Netzwerks Asyl in der vergangenen Woche mit den Einsatzleitern. Dabei sorgten offenbar Maßgaben der städtischen Lebensmittelüberwachung für Irritationen. Aus den Ausführungen schloss Sandra Maschke jedenfalls, dass von jeglicher Mitarbeit von Flüchtlingen abzusehen sei - "aus hygienischen Gründen". In diesem Fall aber wären die Aufgaben für die Ehrenamtlichen nicht mehr zu bewältigen, meint Maschke. Ihrem Ärger machte sie in dem Leserbrief Luft. Nicole Hammerl nahm daraufhin Rücksprache mit Einsatzleiter Maximilian Landgraf, zuständig für die Notunterkunft, und Projektleiter Thomas Hentschel vom Sozialamt. Ergebnis: "Diesbezüglich gibt es keine Anweisungen." Und auch in der Praxis laufe es anders als von Maschke beschrieben.

Schon in der Berufsschulturnhalle, so Hammerl, hätten die Flüchtlinge selbst mit angepackt, beispielsweise gekehrt, gewischt und die Feldbetten für Neuankömmlinge desinfiziert. Und auch in der Mehrzweckhalle nähmen die Koordinatoren gerne die Hilfsangebote der Asylbewerber an. Diese "laufen mit der Müllzange durch die Halle, stellen Trennwände auf, räumen die Kleiderkammer mit ein". Sollte Sandra Maschke dort auf Hilfe von Flüchtlingen zurückgreifen wollen - "von uns wird sie nicht verhindert". Möglicherweise aber an anderer Stelle. Die stellvertretende Leiterin des Rechtsamts verweist auf "sensible Bereiche", in denen tatsächlich hygienische Regeln eingehalten werden müssten: "zum Beispiel bei der Essensausgabe". Dazu könne nicht jeder befähigt werden. "Und das kontrolliert unsere Lebensmittelüberwachung dann auch."

Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler vom Netzwerk Asyl hat dagegen erfahren: "Es scheint tatsächlich schwierig zu sein, Asylbewerber etwas machen zu lassen." Oft fielen die Arbeiten eben in einem sogenannten "sensiblen Bereich" an - "zum Beispiel beim Packen von Wascheimern" (Eimer für Neuankömmlinge unter anderem mit Duschgel, Zahnpasta und Zahnbürste). Wobei Pauckstadt-Künkler noch nicht mal nachvollziehen kann, weshalb die Essensausgabe für die Flüchtlinge tabu sein sollte. "Die wohnen und schlafen zusammen. Warum sollte das Essen dann problematisch sein?"

Das fragt sich auch Sandra Maschke. Neuerdings solle es Asylbewerbern sogar nicht mehr erlaubt sein, sich selbst einen Tee oder einen Kaffee aus der Maschine zu lassen, erzählt sie von dem Gespräch in der vergangenen Woche. "Auch das müssten Helfer jetzt für sie erledigen, hieß es. Da hört's doch auf. Die Leute duschen immerhin in derselben Dusche."
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