Stadtführung für Behinderte: Kepler-Gymnasiasten erhalten Preis als landesbeste Schule
Grenzen spielerisch überwinden

"Kepler"-Schülerin Ronja Künkler und ihre Klasse konzipierten anlässlich des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten eine Stadtführung für Behinderte. Ihr Lohn: der Preis als landesbeste Schule. Bild: Kusch
(gük) Integration. Inklusion. Vorurteile in den Köpfen abbauen. Keine Einteilung in behindert oder nicht behindert. Einfach den Menschen in den Blick nehmen. Große, aber wichtige Ziele, die sich die 46 Elftklässler des Kepler-Gymnasiums Weiden und ihre Lehrer Christian Obermayer und Jochen Runkel in den vergangenen Monaten setzten. Für den Geschichtswettbewerb 2014/2015 des Bundespräsidenten konzipierte Schülerin Ronja Künkler mit Unterstützung ihrer Klasse eine Stadtführung für behinderte Menschen. Am Mittwoch gab es im Nürnberger Rathaus für die ausgezeichnete Idee eine Auszeichnung: den Preis als landesbeste Schule und 500 Euro.

446 Jugendliche aus ganz Bayern hatten mit 86 Beiträgen an dem Wettbewerb teilgenommen. Das Motto lautete "Anders sein. Außenseiter in der Geschichte". Mit ihren Beiträgen wenden sich die SchülerInnen "gegen Vorurteile und Ausgrenzung und fordern mehr Toleranz", unterstrich Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung, in der Laudatio. Herbert Püls, Ministerialdirektor für den Bereich Bildung und Kultus im Bayerischen Staatsministerium: "Fremdenfeindlichen Tendenzen kann man nur über soziales Lernen entgegenwirken." Bei der Stadtführung der Keplerianer wurde an vier Stationen der Weidener Altstadt schauspielerisch Geschichte zum Leben erweckt. Erzählt wird vom Hungeraufstand der Frauen im Jahr 1917, die sich vom Kaufmann Röger um ihre Zuckerration betrogen fühlten. Der Bürgermeister, dem sie ihr Anliegen vortragen, belächelt sie nur. Als die Frauen im Gottesdienst ihr Problem erneut ansprechen und es zu Randalen kommt, wird die angebliche Rädelsführerin Kathi Sommer festgenommen und verurteilt. "Eine typische Konfrontation zwischen Arm und Reich", erzählt Deutsch-Lehrer Jochen Runkel.

Was an dieser ungewöhnlichen Stadtführung inklusiv sein soll? "Behinderte brauchen je nach Behinderung eine besondere Zugangsweise", sagt Runkel. Die Flyer wurden deshalb mit Brailleschrift für Blinde versehen. Ein Erzähler informierte immer wieder über die Gestaltung der einzelnen Szenen. Getestet wurde das Ganze von zwei Klassen des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Irchenrieth mit unterschiedlichem Behinderungsgrad und -bild.

Doch wie geschrieben: Letztlich geht es nicht um eine strikte Trennung zwischen behindert und nicht behindert, sondern um Jugendliche, die gemeinsam ein Ziel verfolgen. Runkel: "Indem sie miteinander geprobt haben und das Ganze dann aufführten, wurden bereits erste Grenzen durchbrochen."
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