Stadtführung über das jüdische Weiden
Nicht viel sichtbar

Das Stadtbild hat sich stark verändert. Dr. Sebastian Schott zeigt den Besuchern Bilder des damaligen jüdischen Weidens. Bild: otj
Während in der Innenstadt, das Bürgerfest langsam in Schwung kam, lotste eine Stadtführung die Teilnehmer erst einmal vor die Tore der Stadt. Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung zeigte Dr. Sebastian Schott vom Stadtmuseum den Besuchern Teile des jüdischen Weidens, die heute leider in großen Teilen nicht mehr sichtbar sind.

1933 gab es etwa 170 Juden in Weiden, die größtenteils selbstständig arbeiteten - nicht nur als Kaufleute. "Oft hatten sie allerdings gerade mal so viel, um davon leben zu können." Aber zum Beispiel um den heutigen Issy-les-Moulineaux-Platz waren viele Kaufhäuser zu finden.

Seit 1933 den Hass gespürt

Kaufmann und Schneidermeister Rafael Nussbaum habe zum Beispiel von 1904 bis 1935 am Oberen Tor das größte "Spezialgeschäft am Platze für Herren-, Burschen- und Knabenkleidung" geführt. Rafael und Ehefrau Selma seien erst im Juli 1938 nach Argentinien geflohen, obwohl sie seit 1933 den ganzen Hass des NS-Regimes zu spüren bekommen hätten.

Einige Schritte weiter. Gemeinsam mit seinem Schwager Max Brauer gründete Max Krell 1911 die Krell & Co. OHG: Verkauf von Haus- und Küchengeräten, Glas-, Porzellan-, Spiel-, Galanterie- und Schuhwaren. Ab 1926 hätten die Brauers auch noch "Einheitspreise Max Brauer und Söhne" betrieben. "Diese Geschäftsform wurde von Nazis massiv bekämpft", erklärt Schott. Auf den Druck hin hätten die Brauers bereits 1933 das Geschäft aufgelöst.

1911 erstes Kino eröffnet

Josef Wilmersdörfer aus Waldsassen habe von 1900 bis 1912 im Vesten Haus ein Konfektions- und Maßgeschäft für Herrenmode sowie ein Versandhaus fertiger Herren- und Knabenkleider geführt. Im Novemberpogrom 1938 seien die Familie misshandelt und die Wohnung verwüstet worden. "Gezwungen, sein großes Haus und sein Geschäft weit unter Preis zu verkaufen, gelang es Familie Wilmersdörfer gerade noch, völlig mittellos, kurz vor Beginn des Krieges 1939 in die USA zu emigrieren".

Auch das erste Kino wurde in Weiden von Deutschen jüdischen Glaubens eröffnet. Wohl bereits seit 1911 hätten die Brüder Justin und Anton Spitz in ihrem Haus am Beginn der Maxstraße ein "Lichtspiel-Theater Weiden" betrieben, das "vornehmste, größte, lustigste und feuersicherste" Kino am Platze, so die Eröffnungsanzeige für Samstag, den 16. September 1911. Die Familie sei schon 1933 emigriert. "Der neue Besitzer benannte das Kino in ,Ostmark-Lichtspiele' um und zeigte Propagandafilme der neuen Regierung."

Letzter Punkt auf der Route war das jüdische Gemeindehaus, wo die Teilnehmer der Führung noch viel über den jüdischen Glauben, das Gebet und die Traditionen erfuhren.
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