Stadtlinien gut in Fahrt

Busunternehmer Wolfgang Wies (Mitte) präsentiert nicht nur seine High-Tech-Busse. Seine Fahrer-Riege mit 35 Vollzeitstellen, darunter 5 Frauen, hat zum 1. September Zuwachs bekommen. Der iranische Auszubildende Majid Dehghan (rechts) beginnt als Siebter im Unternehmen die Ausbildung als Fachkraft im Fahrdienst. Christopher Decker (links) ist im vergangenen Jahr fertig geworden. Bild: sbü

Mit den Ferien startete die Firma Wies in die neue zehnjährige Vertragslaufzeit für den Weidener Stadtlinienverkehr. Und das mit zwei Besonderheiten. So ist im August die Linie 4 (viele Schüler) das Sorgenkind, während bei der Linie 6 der Schätzlerbad-Bonus durchschlägt. Auf lange Sicht beschäftigt Wolfgang Wies das Thema Barrierefreiheit.

Weiden. (sbü) "Je größer eine Stadt, desto geringer ist die Bedeutung der Schüler im Fahrgastaufkommen des öffentlichen Personennahverkehrs", sagt Wolfgang Wies, Chef des Busunternehmens Wies Faszinatour. Weiden sei als mittelgroße Stadt von der Ferienruhe nicht so stark betroffen wie der Überlandverkehr.

Bei Kälte mehr Fahrgäste

Wies nannte auch Zahlen: Im Jahresverlauf würden knapp 4 Millionen Fahrgäste gezählt, auf August, "den schlechtesten Monat", entfiele ein Anteil von 4,5 bis 5 Prozent. Generell gebe es auch andere jahreszeitliche Schwankungen. Dabei "ist das Wetter ein großes Thema". Deswegen liegen die monatlichen Anteile am Fahrgastaufkommen von Dezember bis Februar bei 9,5 bis 10 Prozent. Einfluss habe auch die Zahl der Arbeitstage eines Monats.

Um die Ferienruhe im August auszugleichen, sei seit Jahren "das Angebot um 20 Prozent reduziert, hauptsächlich auf einen Halbstundentakt". Große Unterschiede bestünden auch zwischen den einzelnen Linien. "Linie 6 war ab 8.30 Uhr sehr gut ausgelastet, denn sie führt zum Schätzlerbad. Da kommen schon einmal 50 bis 60 Fahrgäste pro Fahrt zusammen", rechnet Wies vor. "Die Linie 6 läuft besser als die Hauptlinie 1."

Sorgenkind sei im Ferienmonat die Linie 4, die normalerweise hohe Schüleranteile habe. Wies freut sich auch, dass die Ferienaktion mit verbilligten Monatskarten in diesem Jahr mit rund 400 Käufern gut 100 Nutzer mehr gefunden habe als 2014. Die Einhaltung des Fahrplans bei niedrigen Zustiegszahlen sei kein Problem, meint Wies. "Der Bus ist ein High-Tech-Fahrzeug, denn der Bordrechner steuert alles auf Sekunden genau." Mit Videoaufzeichnungen könne dies alles belegt werden.

Wie zuverlässig der Stadtbus sei, zeige auch die letzte Auswertung. "Bei 80 000 gefahrenen Kilometern ist nur eine einzige Fahrt wegen unfallbedingter Straßensperrung ausgefallen." Zwei Beschwerden hätte es gegeben. "In einem Fall hat der Fahrer eine Person übersehen. Wir haben sie gesondert in die Stadt befördert. Die andere Beschwerde hat sich als absolut unbegründet erwiesen."

Grundsätzliches zum Personennahverkehr kam im Pressegespräch ebenfalls zur Sprache. Wies sieht vor allem die Barrierefreiheit als großes Zukunftsthema. Der Schwerbehindertenanteil unter den Fahrgästen liege in Weiden bei 10 Prozent. "Von den 273 Haltestellen im Stadtgebiet sind nur zwei Hände voll als barrierefrei anzusehen." Ähnlich wie andere Kommunen sei die Stadt Weiden mit der erforderlichen Umstellung überfordert, denn die Kosten dafür reichten von 25 000 bis 200 000 Euro, je nach Einzelfall.

Interaktive Streckenplanung

Langfristig erwartet Wies demografisch bedingte Rückgänge des Fahrgastaufkommens, "aber nach 10 Jahren haben wir den Bodensatz erreicht". Ganz besonders betroffen sei der Überlandverkehr. Damit auch mehr Erwachsene das Busangebot nutzen, verweist der Unternehmer auf sein neues "attraktives Internetangebot" mit interaktiver Streckenplanung und -navigation. "Wir wollen damit die Zugangsschwelle zum Bus absenken."
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