Stadtrat: Hitzige Diskussion über finanzielle Schwierigkeiten des Schwimmvereins
Kalte Dusche vor Finanzspritze

Das Schätzlerbad in Weiden. Der Stadtrat diskutierte die finanzielle Situation des Schwimmvereins und segnete die angedachte Finanzspritze schließlich doch ab. (Bild: Michael Ascherl)

Einer schwamm gegen den Strom. Wegen des finanziell angeschlagenen Schwimmvereins hakte Stadtrat Josef Gebhardt kritisch nach. Und in der Stadtratssitzung schlugen die Wellen hoch.

Eigentlich sollte der Punkt nicht-öffentlich verhandelt werden. Und vielleicht wäre das sogar besser gewesen. Auf Antrag von Josef Gebhardt (SPD) rückten die städtischen Zuschüsse für den Schwimmverein (SV) jedoch in den öffentlichen Teil der Stadtratssitzung. Die Folge, laut Bürgermeister Lothar Höher: "ein Affenzirkus". Gebhardt nutzte das Forum, um das Finanzgebaren des Vereins und vor allem dessen Vorsitzenden Reinhard Meier anzuprangern. Als OB-Kandidat habe Meier noch große Pläne verkündet, wie die Stadt finanziell gesunden könne. "Und als Vorsitzender des Vereins hat er selbst finanzielle Probleme und ruft nach der Stadt", sagte Gebhardt. "Das ist eine Bankrotterklärung für seine Fähigkeiten."

Nicht zuletzt CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch wunderte sich, dass die Debatte nun ausuferte. Er erinnerte daran, dass der Finanzausschuss das Vorgehen bereits einstimmig beschlossen hatte. Wenn im Stadtrat solche Themen nochmals ausgebreitet würden, so Pausch, "können wir uns die Ausschüsse sparen". Wie berichtet, soll der SV für den Betrieb des Schätzlerbads 550 000 Euro im Jahr 2015 sowie je 500 000 Euro in den beiden Folgejahren erhalten. Als einmalige Soforthilfe gegen Liquiditätsprobleme soll es 100 000 Euro geben. Pausch: "Wir stehen zum Schwimmverein und sind dankbar für seine Arbeit."

Unerklärliche Schulden

Gebhardt hakte nach, zitierte aus Kassenberichten, die der Schwimmverein in Hauptversammlungen präsentiert hatte: 2012 ein Plus von 124 000 Euro und 2013 ein Minus von lediglich 21 000 Euro. Die Finanzsorgen seien insofern nicht nachvollziehbar. Wenn das Rechnungsprüfungsamt die Prüfung abgeschlossen habe, wolle er die Ergebnisse sehen, forderte der Genosse.

SV-Chef Meier, Stadtrat der Bürgerliste (BL), lieferte später eine Begründung für die unterschiedlichen Zahlen: Zum Zeitpunkt der Hauptversammlungen hätten die Rechnungen der Stadtwerke, welche die Becken bewirtschaften, noch nicht vorgelegen. Meier verwies ferner darauf, dass er von Vorgängerin Ulla Albert Schulden in Höhe von 80 000 Euro sowie hohe Verwaltungskosten übernommen habe - und dass Gebhardt als Kassenprüfer fungiert habe.

Rainer Sindersberger (BL) warnte davor, den engagierten Vorsitzenden zu demontieren. Sein Eindruck: "Die Retourkutsche für den Wahlkampf kriegt er jetzt über den Verein." "Wir wirtschaften korrekt, offen und ohne Angst vor einer Überprüfung", betonte Sindersberger, der auch als Vorsitzender des "Schätzler"-Fördervereins fungiert. Für die Bewirtschaftung des Altbads - "vom Weiher bis zum Campingplatz" - müsse der SV mit 40 000 Euro jährlich auskommen. Den Rest erhielten die Stadtwerke. Eine Modell im übrigen, "das eine Idee des Oberbürgermeisters war".

"Wir wollen sozial gerechte Eintrittspreise"

Sindersberger kündigte an, Öffnungszeiten, Mitgliedsbeiträge und Eintrittspreise auf den Prüfstand zu stellen. "Wir werden Dienstleistung zurückfahren müssen." Aber: "Wir wollen weiterhin sozial gerechte Eintrittspreise, damit Familien mit zwei, drei Kindern bei uns baden können."

Im übrigen treffe Gebhardt mit seinen unterschwelligen Vorwürfen auch SV-Kassier Norbert Ziegler, der sehr penibel vorgehe, sagte Sindersberger. "Das finde ich dreist." Zumal Ziegler auch Schatzmeister des Tierfriedhofs ist - einem Verein, dem Gebhardt vorsteht. Er habe niemanden persönlich beleidigen wollen, versicherte Gebhardt. Als Stadtrat habe er jedoch ein Recht auf Information - "und die hole ich ein".

Zwischendurch war Hans Blum mit einem Antrag auf Ende der Debatte gescheitert. Mit zwei Gegenstimmen (von Gebhardt und Hildegard Burger, SPD) segneten die Stadträte schließlich die Hilfen für den Schwimmverein ab. Angesichts der großen Mehrheit nach hitziger Diskussion platzte Bürgermeister Höher der Kragen: "Schamt's ihr eich niat?"
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