Standortfaktor Jugendarbeit

Tobias Reichelt: "Wir schätzen die Leistungen, die die Stadt für uns erbringt. Im Gegenzug erwarten wir die Wertschätzung der Stadt für unsere Arbeit."

Der Blick in die Vergangenheit ist Mahnung für die Zukunft. Der Stadtjugendring zeigt auf, was er 2014 alles leistete. Und damit auch, was jetzt, in Zeiten der Sparzwänge, auf dem Spiel steht.

Vier Stichworte verknüpft Tobias Reichelt mit der Jahresbilanz 2014: Qualität, Zukunftsfähigkeit, Standortfaktor, Wertschätzung. Vier Begriffe, die das vergangene Jahr geprägt hätten. Vier Faktoren, die in Zukunft offenbar nicht mehr so ganz selbstverständlich sind: Bekanntlich will die Stadt auch beim Jugendring sparen, konkret steht beispielsweise die vierte Sozialpädagogen-Stelle im Jugendzentrum auf dem Spiel. Der Stadtrat entscheidet darüber voraussichtlich im Juli.

Die Sparzwänge im Hinterkopf, wird es verständlicher, wie Vorsitzender Reichelt die Begriffe erläutert. Qualität und Zukunftsfähigkeit: "Wir wollen qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Aber die Qualität steht und fällt mit den personellen, materiellen und finanziellen Ressourcen." Standortfaktor: "Parkplätze sind wichtig für Weiden, ein Einkaufszentrum ist wichtig, ein Multiplex ist wichtig. Für eine liebenswerte Stadt ist aber auch die Arbeit des Jugendrings und des Juz immens wichtig." Wertschätzung: "Wir schätzen die Leistungen, die die Stadt für uns erbringt. Im Gegenzug erwarten wir die Wertschätzung der Stadt für unsere Arbeit."

Liebe zur Heimat wecken

Die war auch 2014 wieder umfangreich und vielfältig. Herausragende Aktionen und Veranstaltungen reichten von einer Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl ("Jugend bewegt Politik") über eine Beteiligung bei den "Wochen der Toleranz und gegen Homophobie" bis hin zur Aktion "Gesicht zeigen", die in eine bemerkenswerte Ausstellung im Rathaus mündete. Der SJR ist Motor für Initiativen wie "Weiden ist bunt" und "Need No Speed" sowie Ausrichter des Kinderbürgerfests (80 Jugendverbände, 300 Helfer, viele Tausend Besucher) und der Ferienaktion (100 Angebote, 2500 Teilnehmer). Gerade die beiden letztgenannte Veranstaltungen weckten bei den Kindern die Liebe zur Heimatstadt, weiß Jugendpfleger Ewald Zenger. Ein Beitrag, "dass sie vielleicht irgendwann nach dem Studium gerne zu ihren Weidener Wurzeln zurückkehren".

Der SJR ist auch Betreiber des Jugendzentrums. Allein im Offenen Betrieb (z. B. Caféteria) hielten sich im vergangenen Jahr dort rund 9000 Jugendliche auf (davon 2900 Mädchen). Aufhorchen ließen unter anderem das Konzert mit der 89-jährigen KZ-Überlebenden Esther Bejarano und "Microphone Mafia", die Festivals "Charity Gig" und "Weiden tobt!" und das wiederbelebte (und erfolgreiche) "Dunkelcafé". Eine vielversprechende Zusammenarbeit startete das Juz mit dem Verein "das sündikat", der fünf Partys und Konzerte organisierte. "Ei, ei, ei - Ostersause" lockte 500 Besucher an, die "Back-for-Good"-Party feierten 700 mit.

Knaller, angesichts derer die Alltagsarbeit natürlich verblasst. Wichtig ist es trotzdem, wie die Sozialpädagogen die junge Klientel im "offenen Betrieb" unter ihre Fittiche nehmen. Oder was Jugendpfleger Zenger und Assistentin Katharina Glaser in der Geschäftsstelle leisten, die Anlaufstation für die rund 25 Mitgliedsverbände und deren Untergruppierungen: Seminare organisieren, Sitzungen vorbereiten, Zuschüsse weiterreichen (insgesamt 35 000 Euro von der Stadt). Der SJR-Haushalt 2014 schloss mit 418 000 Euro in Einnahmen und Ausgaben ab. Zenger, nicht ohne Stolz: "Wir haben keine Schulden." Sondern sogar Rücklagen in Höhe von 22 000 Euro.

Verhandlungen mit Stadt

Nicht mehr leisten wollen sich Teile des Stadtrats offenbar die "vierte Stelle" im Juz. Reichelt und Zenger warnen: "Need No Speed" stünde vor dem Aus, ebenso die hauptamtliche Betreuung des Bündnisses "Weiden ist bunt". "Wir wollen nichts zusätzlich", betont der Vorsitzende. "Nur das halten, was wir bisher hatten."

Derzeit befinden sich die SJR-Vertreter in intensiven Verhandlungen mit der Stadt: In einem neuen Grundlagenvertrag sollen Aufgaben und Ausstattung des Jugendrings genau festgeschrieben werden. Auch die vier Stellen im Jugendzentrum. Über den Kontrakt stimmt der Stadtrat wohl am 27. Juli ab. Dann zeigt sich für den Jugendring, wie es die Kommunalpolitiker 2015 mit den vier wichtigsten Begriffen des SJR-Jahres 2014 halten.
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