Stephan Gollwitzer über seine Zeit in Afghanistan
Wunsch nach Frieden

Die Situation der Frauen und Kinder in Afghanistan standen im Mittelpunkt eines Vortrags des CSU-Kreisvorsitzenden Stephan Gollwitzer. Eingeladen hatte ihn die Frauenunion Weiden. Gollwitzer, Oberfeldwebel der Reserve, hatte sich 2005 freiwillig nach Afghanistan gemeldet. Jetzt berichtete er anschaulich und emotional über die vielseitigen Eindrücke und Probleme in diesem über 5000 Kilometer entfernten Land.

Die stellvertretende Kreisvorsitzende der Frauenunion, Dagmar Nachtigall, ging in ihrer Begrüßung auf das Leid der Menschen in Afghanistan ein, da sie bereits seit 30 Jahren Krieg erlebten. "Zuerst gab es die Auseinandersetzungen mit Russland, dann übernahmen die Taliban die Herrschaft, und es gab Bürgerkrieg. Und zuletzt, seit dem 11. September 2001, kämpften die USA." Nun sei das Land angeblich befreit, und die Nato unterstütze den Aufbau, "doch bleiben Schreckensnachrichten nicht aus", so Nachtigall. Frauen und Kinder würden unterdrückt, lebten unter strengen Vorschriften und erhielten in den Dörfern keine Bildung.

Dies waren auch Themen, die den Referenten sehr beschäftigten. "Ich wünsche diesem Land endlich Frieden und Ruhe", sagte Gollwitzer. Er zeigte Bilder von Kindern und Frauen. 90 Prozent der Afghanen hätten keinen Strom in ihren Häusern, nur 10 Prozent der Straßen seien asphaltiert.

Burka-Pflicht für Frauen

Frauen müssten Burka tragen und somit ihren Körper verhüllen, berichtete Gollwitzer. "Dies ist aber auch zum Schutz der Frauen, gerade der unverheirateten." Verboten sei es, die Knöchel oder das Gesicht der Frauen zu sehen. Frauen würden nicht von männlichen Ärzten behandelt, da sie sich ja nicht zeigen dürfen. Weiter sprach der Referent über Zwangsverheiratungen der Kinder mit knapp acht Jahren. Die Nato sei in das Land gekommen, um Normalität und eine zivilisierte Ordnung herzustellen, doch dies sei nicht ganz gelungen. "Erst 2014 wurde ein Gesetz erlassen, dass Männer Straffreiheit bekommen, wenn sie eine Frau misshandeln. Das hat mich persönlich sehr erschüttert." Klar sei, dass die Afghanen es selbst schaffen müssten, weltoffener zu werden.

Ihn selbst habe die Zeit in der Krisenregion sensibler gemacht. So schätze er ein Glas Wasser viel mehr, denn die Ressource Trinkwasser sei gerade in einer Wüstenregion sehr kostbar. "Oftmals hört man, wie schlecht es uns geht, aber man wird dankbarer, wenn man die Freude der Kinder über kleinste Geschenke sieht." Für den CSU-Kreischef steht fest, dass der Satz stimmt, wonach man anders zurück komme, wenn man in Afghanistan gewesen sei. In der sehr heißen und eintönigen Zeit im Lager sei seine größte Freude das Care-Paket seiner Eltern gewesen. "Da war es ein echtes Highlight, als der ,Neue Tag' im Paket lag."

Im Anschluss erfolgte eine rege Diskussion bei den zahlreichen Besuchern. Stadtrat Hans-Jürgen Gmeiner, der als Berufssoldat erst vor Kurzem zum zweiten Mal in Afghanistan war, ergänzte Gollwitzers Ausführungen. Stellvertretende Vorsitzende Angela Hofmann dankte für den Vortrag, überreichte ein Geschenk und betonte, dass sie den Schilderungen noch einige Stunden hätte lauschen können. "Es war sehr interessant, das Frauenbild in einer anderen Kultur so fesselnd erleben zu dürfen."
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