Straße frei für Fußgänger

Die Vollsperrung der Sedanstraße bleibt ein Reizthema. Zu Testzwecken wird die durchgehende Fußgängerzone dennoch kommen. Sogar früher als von der Verwaltung gedacht. Aber mit Reißleinen-Option.

Nein, es sind keine ungelegten Eier, über die die Mitglieder des Hauptverwaltungs- (HVA) und Bauausschusses bei der eigens am Mittwoch anberaumten gemeinsamen Sitzung so heiß diskutieren. Bereits Ende Januar hat der Stadtrat die einjährige Testphase mit Beginn im Sommer 2015 ausgebrütet, bei der die Sedanstraße für Autos tabu und zur Flaniermeile für Fußgänger wird, betont SPD-Stadträtin Hildegard Burger. Nach der verheerenden Kritik, die mit der Sperrung von Dännereck bis ZOB im Zuge der Baumaßnahmen für die Stadtgalerie in den Osterferien und darüber hinaus einherging, war eine Verschiebung um ein Jahr im Gespräch.

Testlauf kann teuer werden

Schließlich gab es laut Alois Schinabeck (SPD) "Unmassen Ärger" in der Zeit: "Wenn wir das schon wissen, lassen wir das mit der einjährigen Testsperrung doch bleiben." Als "hahnebüchenen Unsinn" bezeichnet Markus Bäumler (CSU) die autofreie Sedanstraße. Klagten doch laut Hans Blum (CSU) "ernstzunehmende Geschäftsleute in der Innenstadt" bei der zuletzt vierwöchigen Totalsperrung über Umsatzeinbußen zwischen 30 und 40 Prozent. "Das können wir uns auf Dauer nicht leisten", argumentiert Fraktionskollege Alois Lukas. Nicht zu vergessen der massive Protest von Bürgern aus den Stadtteilen Rehbühl, Mooslohe und Weiden-West. Sie fühlten sich in der Folge der Sperrung von der Innenstadt abgeschnitten, weiß CSU-Stadtrat Stephan Gollwitzer.

"Aber die jetzige Fußgängerzone ist eine Katastrophe", hält Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) dagegen. Warum? "Wenn man in Einkaufslaune so an einer Ampel hergebremst wird wie am Issy-Platz, finde ich das nicht in Ordnung", sagt Gabriele Laurich (SPD). Kurzum: Die Testphase, die der Stadtrat beschlossen hat, um die neue Stadtgalerie besser anzubinden und die Innenstadt zu stärken, muss kommen. Philipp Beyer plädiert gar für eine Vorverlegung auf Januar. "Denn nicht die Sperrung, sondern die Parkplätze waren schuld am Umsatzeinbruch", meint der Bürgerlisten-Stadtrat: Zum Winklerparkplatz fanden wegen der schlechten Beschilderung wenige, die Allee-Tiefgarage war geschlossen, die freien Parkflächen lagen ungünstig.

Zudem werde die Testphase von vornherein komplikationsloser verlaufen. Denn der neuralgische Verkehrsknotenpunkt am Dännereck wird - anders als in der Baustellenzeit - weiter befahrbar sein, folgt Beyer der Argumentation von Baudezernent Hansjörg Bohm. "Etwas mehr Mut" fordert Reinhard Hese von der Runde. Der SPD-Stadtrat fühlt sich an die Weltuntergangsstimmung in den 1970er Jahren erinnert, als Autos nicht mehr zwischen Oberem und Unterem Tor verkehren sollten. Heute krähe kein Hahn mehr danach. "Weil der Ankerdurchbruch kam, und der soll jetzt zugemacht werden", kontert Lukas (CSU).

Sechs Monate abwarten

Am Ende stimmen bis auf Alois Schinabeck alle Mitglieder von HVA und Bauausschuss für die Testphase, vorgezogen auf die "Verkehrsschwachlastzeit" Januar 2016, vorausgesetzt die Allee-Tiefgarage eröffnet nach ihrer Sanierung wie geplant zum Weihnachtsgeschäft 2015. Nach sechs Monaten wird auf Basis eines Erfahrungsberichts entschieden, ob der Testlauf fortgesetzt wird. Bürger, IHK und Einzelhandel sollen rechtzeitig eingebunden und informiert werden.
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