Strauß' Größe erst spät erkannt

Ein Zeitzeuge der Ära Strauß: Godel Rosenberg. Bild: Bühner

Zeitzeugen schildern die Vergangenheit lebendiger als historische Filme. Ihnen zuzuhören ist deshalb von besonderem Reiz. Das gilt auch für Godel Rosenberg, der zehn Jahre lang Pressesprecher von Franz Josef Strauß war. Was er berichtete, steht nicht alles in Geschichtsbüchern.

Weiden. (sbü) Bei Godel Rosenbergs Vortrag in der "Almhütte" lebte die Vergangenheit wieder auf. Der Zeitzeuge war in einer der wichtigsten Phasen deutscher Nachkriegsgeschichte, zwischen 1978 und 1988, Pressesprecher von Franz Josef Strauß. Für Rosenberg, der sein Buch "Franz Josef Strauß und sein Jude" vorstellte, gehört sein ehemaliger Chef zu den wenigen großen deutschen Politikern mit prägendem Einfluss auf die Zeit nach 1945. Er begründet seine historische Bewertung von Strauß mit zahlreichen Fakten. Schon 1952 habe dieser in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag "den Kampf der Systeme erkannt" und am Ende der Ansprache den wagemutigen Satz gesagt: "Es lebe Europa."

Die Opposition habe damals noch ein anderes Deutschland angestrebt. Ähnliches gelte auch für die Bedeutung Israels als "westliche Plattform im Nahen Osten". Mit "massiven Waffenlieferungen aus Bundeswehrbeständen 1962" wollte Strauß als Verteidigungsminister das Land Israel stärken. Weitere wichtige Weichenstellungen von Strauß für Deutschland sieht Rosenberg im Milliardenkredit an die DDR. "Strauß hat kapiert, dass er damit den Menschen dort hilft und einen Fuß in die DDR bekommt", sagte Rosenberg. Zusammen mit dem Nato-Nachrüstungsbeschluss sei dies "der erste Sargnagel für den Zusammenbruch der Sowjetunion gewesen", meinte der Referent. Strauß habe daneben nie die Forderung nach einer Wiedervereinigung aufgegeben.

Rosenberg erzählte auch viele persönliche Erlebnisse während seiner Tätigkeit als Pressesprecher für Strauß. Beteiligt war er zum Beispiel am bekannten Strauß-Interview nach der Bundestagswahl 1987, als "nach einer Spritze gegen Zahnweh und weiteren Medikamenten schon geringer Alkohol wirkte". Strauß sei "für seine Umgebung schwierig gewesen". Weil er ein "unglaublich gebildeter Mann mit messerscharfem Gedächtnis" gewesen sei, habe man immer gut vorbereitet sein müssen. "Ich hatte mit meinen 31 Jahren Mühe mitzuhalten."

Bei Strauß sei "jeden Tag etwas los gewesen, und ich war immer dabei". Rosenberg gesteht: "Erst als ich 60 wurde, habe ich erkannt, welche Größe der Mann hatte." Als Fehler bezeichnet er den jahrelangen Kampf von Strauß gegen Helmut Kohl. Kohl sei in seinen Memoiren voll des Lobes, wenn er sage: "Ohne Strauß würden Bayern, Deutschland und Europa heute anders aussehen."

Skandale überbewertet

Die historische Bedeutung von Strauß käme auch "im Titelblatt des Spiegels 27 Jahre nach seinem Tod" zum Ausdruck. Rosenberg vertritt die Auffassung, dass "Skandale um Strauß" viel zu sehr aufgewertet würden. Im 680-seitigen Buch des ehemaligen "Spiegel"- und "Zeit"-Mitarbeiters Peter Siebenmorgen über Strauß gebe es "630 Seiten Bewunderung und nur 10 Seiten Kritik".

Eingeladen zur Buchvorstellung hatten die CSU-Kreisvorsitzenden von Tirschenreuth, Neustadt/WN und Weiden - MdL Tobias Reiß, Landrat Andreas Meier und Stadtrat Stefan Gollwitzer.
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