Strauß: Ikone und Feindbild

Franz Josef Strauß werde vielfach in ein falsches Licht gerückt, meint Professor Horst Möller. Der Historiker zeichnet in seiner Biografie ein vorwiegend positives Bild von dem umstrittenen bayerischen Ministerpräsidenten, der heuer 100. Geburtstag gehabt hätte. Bild: Otto

Schimpfkanonaden gegen den politischen Gegner, gespickt mit altphilologischen Zitaten und derben Bonmots, zornesrot, schwitzend - das fällt einem zu Franz Josef Strauß ein. Bei einer Lesung zeichnete Professor Horst Möller ein anderes Bild des urwüchsigen Politikers.

Weiden. (otj) "Franz Josef Strauß - Herrscher und Rebell" betitelt der Historiker die Biografie über einen der wohl polarisierendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit, aus der er in der Buchhandlung "Stangl & Taubald" las. Ikone oder Feindbild? Möller lässt keinen Zweifel daran, dass er zu den Bewunderern gehört.

100 Jahre alt wäre Strauß in diesem Jahr geworden - das war eines von Möllers Motiven, sich dem Leben des Politikers zu widmen, aber nicht das einzige. "Es gibt nur ganz wenige Politiker, die über einen so langen Zeitraum so einflussreich waren. Dazu war er 27 Jahre lang Vorsitzender der CSU."

Ins falsche Licht gerückt

Möller sieht außerdem die Polit-Legende von den Autoren, die bisher über Strauß geschrieben haben, in ein falsches Licht gerückt. In seinen über 1000 Reden habe der Politiker nicht nur die polemische Rhetorik gekannt, vor allem mit Sachargumenten habe er überzeugen wollen - komplex und mit einer hohen Informationsdichte.

Um Franz Josef Strauß verstehen zu können, müsse man seine Geschichte kennen. Die Geschichte eines Metzgersohns, der nur durch die Intervention des katholischen Pfarrers Zugang zu Gymnasium und Universität bekommen habe. Eines Nonkonformisten, der auch als Soldat mit seinen Äußerungen gegen die Nazis nicht hinter dem Berg gehalten habe.

Zunächst in Kriegsgefangenschaft sei Strauß als politisch unbelastet eingestuft worden. Das und seine guten Englischkenntnisse seien der Grund gewesen, weshalb die Amerikaner ihn zum stellvertretenden Landrat des Landkreises Schongau bestellt hätten.

Als Gestalter der neu entstandenen CSU sei er 1949 zu ihrem ersten Generalsekretär ernannt worden, um dann ab 1949 bis 1978 im Bundestag Karriere zu machen: als Bundesminister für besondere Aufgaben, Atom-, Verteidigungs- und Finanzminister. 1978 wechselte Strauß als Ministerpräsident in den bayerischen Landtag. Diesen Posten bekleidete er bis zu seinem Tod 1988.

Akribisch recherchiert

Möller beleuchtete auch den Privatmann Franz Josef Strauß und attestierte ihm eine große Bereitschaft zu helfen. Er vermutete sogar ein wenig Naivität hinter der Tatsache, dass Strauß sich nicht nur die richtigen Freunde ausgesucht habe. Manche hätten diese Freundschaft zu ihren eigenen Zwecken ausgenützt.

Für sein Buch hat Möller akribisch recherchiert, sich durch Tausende von Aktenseiten geblättert - und sich auch den Vorwürfen gewidmet, die dem verstorbenen CSU-Politiker heute noch in Veröffentlichungen angekreidet würden, so Möller. Spiegel-Affäre, Starfighter, Korruptionsvorwürfe - in seinen Quellen habe er kaum wirklich Belastendes gegen Strauß herauslesen können.

Einen Seitenhieb gegen die Rezensentin seines Buches, Franziska Augstein, die ihm ein apologetisches "historiografisches Photoshop-Verfahren" vorwirft, kann sich der Historiker nicht verkneifen: "Man merkt, dass sie nicht das ganze Buch gelesen hat."
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