Streit um Etzelwangs Mitte

Der Andrang bei der Gemeinderatssitzung war groß. Das Interesse vieler Bürger an der künftigen Nutzung des Gasthauses Pürner in der Ortsmitte von Etzelwang auch. Doch der Beschluss über den Kauf des Gebäudes durch die Gemeinde Etzelwang wurde nach kontroversen Diskussionen trotzdem vertagt.

Viele Zuhörer drängten sich in den Gasthaus Peterhof. Sie alle wollten wissen, wie es mit Etzelwangs Mitte weitergeht. Bürgermeister Roman Berr informierte darüber, dass ein Interessent das Gebäude erwerben, sanieren und Unterkünfte für maximal 75 Asylbewerber schaffen möchte. Der Gemeinde sei seiner Aussage nach daran gelegen, eine Lösung zu finden, die auch der Dorferneuerung gerecht wird. Deshalb stehen Überlegungen an, dass die Gemeinde das Gebäude selbst erwirbt und zur Unterkunft für etwa 40 Asylbewerber umbaut.

Hausmeister wäre nötig

Dabei könnte sie neben den Mieteinnahmen vom Landkreis mit Zuschüssen vom Amt für ländliche Entwicklung für Kauf und Sanierung in Höhe von bis zu 90 Prozent erwarten. Allerdings wäre eine derartige Nutzung nicht ohne einen Hausmeister möglich. Der Bürgermeister äußerte die Befürchtung, dass bei einem Privatinvestor nach Nutzung durch Asylanten das Gebäude wieder renovierungsbedürftig der Gemeinde zur Last fallen würde.

Das Amt für ländliche Entwicklung erwarte eine dorfgerechte Sanierung und eine sinnvolle Nutzung nach einem Ende der Flüchtlingsunterbringung. Die Gemeinde müsste sofort kaufen und sofort sanieren, was eine Vorkasse in Höhe von etwa einer Million Euro ausmachen würde. Die Schuldenlast könnte erst im Laufe der Jahre abgebaut werden. Die Diskussion unter den Gemeinderäten zeigte kontroverse Meinungen quer durch die Fraktionen. Gemeinderat Günther Renner (SPD) äußerte sich strikt gegen eine Asylantenunterkunft, da die Gemeinde viele andere Projekte zu erledigen habe.

Außerdem befürchtete er bei einem Rückgang der Flüchtlingszahlen eine Reduzierung der Mietzuschüsse, was die Kalkulation unterlaufen würde. Unterstützung bekam er von Gemeinderat Karl Adelmann (SPD). Hohe Kosten, ein enormer Sanierungsbedarf mit einer weiteren alten Liegenschaft und zu erwartende Folgekosten bereiteten Gemeinderätin Lydia Zahner (CSU/FB) Sorgen. Dagegen befürchtete Gemeinderat Klaus Hofmann (Grüne/UK) fehlende Einflussmöglichkeiten, wenn das Gebäude auf einen privaten Investor überginge. Die Finanzierung durch die Gemeinde sah er überschaubar. Außerdem hielt er es für eine Pflicht der Gemeinde, sich um dieses Haus in der Dorfmitte zu kümmern.

Neue Ruine?

Die Gemeinderäte Wilfried Schmidt und Gerhard Pirner (beide CSU/FB) würden bei einer schwarzen Null bei der Gegenüberstellung von Kosten und Einnahmen zum Kauf durch die Gemeinde raten, da damit später auch für einen Bevölkerungszuwachs Wohnungen bereitgestellt werden könnten. Hans Loos von der Verwaltungsgemeinschaft Neukirchen unterstützte diese Ansicht, da in Etzelwang optimale Voraussetzungen für Berufspendler mit der verkehrstechnischen Anbindung vorlägen und damit ein Bedarf an Wohnungen zu erwarten sei. Das Gasthaus könnte nach der Nutzung als Asylantenunterkunft zu Wohnungen für Familien umfunktioniert werden. Allerdings vermutete Markus Wagner (CSU/FB) nach der Nutzung als Asylantenunterkunft eine neue Ruine in Gemeindebesitz. Klaus-Dieter Schurath (CSU/FB) erkannte bei der Finanzierung durch die Gemeinde ein zu hohes Risiko.

Ernst Scharr (CSU/FB) riet davon ab, ohne ausreichende Förderung das Gebäude zu kaufen. Bürgermeister Roman Berr wird nun die Höhe der Förderung aktualisieren lassen, um eine exakte Kalkulation von zu erwartenden Einnahmen den Kosten gegenüberstellen zu können. Ein Beschluss wurde vertagt.
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