Stuhl gegen Schlagstock

Als "ein bisschen brutal" schildert eine Zeugin den Polizeieinsatz im "Café Rio". Ein 28-jähriger Gast fühlte sich offenbar herausgefordert. Er griff sich einen Stuhl und donnerte ihn einem Polizisten in den Nacken. Nun müssen die Richter klären: Handelte der Drogenkonsument in Tötungsabsicht?

Zahlreiche Zeugen schilderten am Freitag ihre Beobachtungen der Vorkommnisse im "Rio-Raum" am 23. Februar. Damals hatte sich ein 28-Jähriger dazu hinreißen lassen, einen Polzeihauptmeister von hinten mit einem Stuhl zu schlagen. Der Beamte wollte gerade einen jungen Mann festnehmen, der mit einer Flasche angegriffen hatte. Der Angeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Jörg Meyer (Regensburg), hat die Tat bereits weitestgehend gestanden. In dem Treff junger Leute in einem Hinterhof in der Asylstraße hatten die Gäste gefeiert, nachdem eine Musikveranstaltung im Jugendzentrum geendet hatte. Nach Beschwerden von Nachbarn und der Ankündigung "Jetzt kommt die Polizei" sei die Stimmung "gekippt", wussten zwei FOS-Schüler noch.

Der Angeklagte, der ihrer Meinung nach erheblich alkoholisiert und unter Drogen gestanden war, sei aggressiv geworden, sagte eine 22-jährige Pädagogik-Studentin. Allerdings sei auch der "Schlagstockeinsatz der Polizisten ein bisschen brutal" gewesen. Der Festzunehmende sei im Polizeigriff am Boden gelegen, und der später verletzte Beamte habe mit dem Schlagstock "gearbeitet", wobei er auch seinen Kollegen getroffen habe. Nun habe sie den Angeklagten gesehen, wie er mit voller Wucht den Stuhl von hinten auf den Nacken des Polizisten geschlagen habe, erzählte die Zeugin. Schließlich hätten ihn ein weiterer Partybesucher und sie selbst weggezogen und weggeschubst.

Nach der Tat verzweifelt

In einem Gespräch hinter verschlossenen Türen tauschten Oberstaatsanwalt Rainer Lehner, Rechtsanwalt Meyer sowie die Richter Leupold, Markus Fillinger und Matthias Bauer ihre Rechtsansichten aus. Insbesondere ging es darum, ob der große, schlanke Mann bei seiner Tat eine Tötungsabsichtabsicht hatte. Außerdem wird bei der Urteilsfindung seine Alkohol- und Drogenkrankheit eine große Rolle spielen.

Eine Ärztin, die ihn auf Bitten einer ihrer Patientinnen am Tag nach der Tat ins Bezirksklinikum Regensburg eingewiesen hatte, berichtete im Zeugenstand, dass er gezittert, verzweifelt gewirkt und Suizidgedanken geäußert habe. Die Verhandlung wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.
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