Suche nach offenen Türen

Mit dem Modell "Betreutes Wohnen in Gastfamilien" bieten der Bezirk und das "Sozialteam" ein weiteres dezentrales Projekt an. Von links: Richhard Schießl vom Medizinischen Dienst des Bezirks Oberpfalz, Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Peter Weiß, Geschäftsführer "Sozialteam", Projektleiterin Michaela Weiß und Werner Apfelbacher, Leiter des "Sozialteams" Weiden/Tirschenreuth. Bild: Götz

Für Felix Mayer ist es ein Neustart. Der psychisch Kranke wohnt nun bei Familie Leinberger im Landkreis Roth. Der 26-Jährige hat sein eigenes Zimmer. Hilft auf dem Bauernhof mit. Er ist voll integriert, obwohl der junge Mann die Familie bis vor Kurzem nicht kannte. Ein Modell, das auch in der Nordoberpfalz Schule machen soll.

Das Angebot nennt sich "Betreutes Wohnen in Gastfamilien" (BWG). Dabei haben Menschen mit einer chronischen psychischen Beeinträchtigung die Chance, bei Familien unterzukommen. Die Gastgeber helfen ihnen, den Alltag zu bewältigen. Ab 1. Januar startet das Projekt in den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN sowie der Stadt Weiden.

Bezirk mit im Boot

"Wir wollen damit die Lebensqualität psychisch Kranker erhöhen und den Gastfamilien ermöglichen, eine sinnvolle soziale Arbeit zu übernehmen", sagt "Sozialteam"-Geschäftsführer Peter Weiß. Seine Einrichtung ist der Träger des Angebots, das der Bezirk Oberpfalz fördert. Als Beispiel dient der Medizinische Dienst des Bezirks (Medbo), der das BWG schon seit vielen Jahren in den anderen Oberpfälzer Landkreisen anbietet.

"Dezentralität ist das Schlagwort. Wir müssen unsere Angebote zu den Menschen bringen", erklärt Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher den Hintergrund. Der Bezirk wählte das "Sozialteam" als Träger aus, da es das BWG auch in Mittelfranken und Niederbayern erfolgreich betreut. So auch die Familie Leinberger und deren Gast Felix Mayer.

Georg und Heidi Leinberger betreiben in Kammerstein (Landkreis Roth) eine Pension und bewirtschaften einen Bauernhof. "Wir haben viel Platz. Als wir von dem Modell hörten, haben wir uns beworben. Und wir haben es nicht bereut", sagen die beiden. Nachdem Mayer im April zwei Woche zur Probe auf dem Hof gewohnt hatte, hat er nun seit Mai sein eigenes Zimmer. "Komplett ohne Betreuung komme ich noch nicht aus, aber in ein Wohnheim wollte ich auch nicht", sagt Mayer. Langfristig plane er, wieder alleine zu wohnen. Nichtsdestotrotz fühle er sich sehr wohl bei seiner Gastfamilie. Der 26-Jährige füttere die Tiere, mache mit Holz und erledige auch Hausarbeiten. "Unsere Enkel wollen immer mit dem Felix spielen", erzählt Heidi Leinberger. Zudem sei das Projekt für sie auch attraktiv, da sie ihren Arbeitsplatz nun zu Hause habe. Denn die Gastfamilie bekommt Betreuungs-, Verpflegungsgeld und Miete.

Wöchentliche Besuche

"Die Gäste brauchen Normalität. Wichtig ist, dass sie nicht als Patienten gesehen werden", umschreibt Richard Schießl von Medbo das Modell. Die Träger betreuen die Familien und Gäste regelmäßig. Dazu gehören auch wöchentliche Besuche. Interessierte Familien - in bestimmten Fällen auch Alleinstehende oder Ehepaare - müssen "ausreichend Wohnraum und Zeit mitbringen", sagt Projektleiterin Michaela Weiß vom "Sozialteam". Wichtig sei die Integration in das Familienleben. Es seien keine besonderen beruflichen Qualifikationen nötig. Als Gäste kämen psychisch behinderte oder langzeitkranke Menschen in Betracht, die einen längeren Klinikaufenthalt hinter sich haben und keine stationäre Behandlung mehr brauchen. Das "Sozialteam" wird in Weiden ein Büro zur Organisation des BWG einrichten. Gestartet wird mit fünf Familien und fünf Gästen.
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