"Tabus brechen": Offen sprechen

Mit Denkanstößen aus seiner Bachelor-Arbeit zum Thema psychische Erkrankungen hat Michael Simmerl (links) die Ausstellung "Tabus brechen" im Schülercafé Scout gestaltet. Unter dem selben Motto steht das knapp zweiwöchige Projekt, das Tanja Koller (Mitte) gemeinsam mit Julia Zimmermann vom Jugendzentrum organisiert. Mit dabei sein werden auch behinderte Mitarbeiter der Wernberger Werkstätten der Dr. Loew Soziale Dienstleistungen, die sich - wie Werkstattleiter Peter Regler (rechts) versichert - schon sehr au

Tanja Koller scheut sich nicht vor heißen Eisen. Gemeinsam mit Julia Zimmermann vom Jugendzentrum packt sie jetzt wieder eines an: "Tabus brechen" lautet diesmal die Devise im Schülercafé.

Weiden. (ps) Was sie und die Sozialpädagogin Julia Zimmermann geplant haben, "wird für manche wieder einmal grenzwertig sein", ist Tanja Koller klar. Denn Depressionen, Angst- und Essstörungen, häusliche Gewalt sind die Themen, die sie vom 3. bis 14. November aufgreifen wollen - und die in der Gesellschaft noch immer gerne totgeschwiegen werden. Was die Betroffenen, nicht selten eben auch Jugendliche, zu Ausgegrenzten macht.

Anderssein, ausgegrenzt werden - diese Probleme griff bereits das Theaterstück "Rote Nasen" des Elly-Heuss-Gymnasiums im Jugendzentrum auf - als vorgezogenen Auftakt der Projektwochen. Fortgesetzt wird das Ganze nun mit der Ausstellung "Tabus brechen" von Michael Simmerl im Schülercafé Scout. Vom 3. bis 14. November zeigt der junge Mann aus Parkstein - er studiert soziale Arbeit an der Hochschule in Regensburg - dort einen Teil seiner Bachelor-Arbeit.

Die befasst sich mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Angst- oder Essstörungen, versucht "Normalen" klar zu machen, was dies für die Betroffenen bedeutet. Zum Beispiel mit Hilfe von Schogetten: Versuchen Sie doch mal, so ein kleines Schokostückchen eine Stunde lang zu lutschen. Unmöglich, meinen Sie? Für Leute mit Essstörungen eben nicht.

"Vormittags bieten wir Führungen für Schulen an", erklärt Tanja Koller, die das Schülercafé in der Trägerschaft des Kolping-Bildungswerks leitet. 50 Prozent der Vormittagstermine sind durch die Wirtschaftsschule und die beiden Mittelschulen in Weiden bereits ausgebucht. Es sind also noch Termine frei.

Am 4. November um 18 Uhr steht ein Fachdialog für Pädagogen auf dem Programm. Moderiert von der Psychotherapeutin Maria Hausner aus Parkstein, wird hier ebenfalls das Thema Essstörungen aufgegriffen. "Was häufig vergessen wird, ist, dass auch junge Männer davon betroffen sind", sagt Tanja Koller.

Beim Kunstgenuss bis Mitternacht am Freitag, 7. November, wird die Ausstellung von Michael Simmerl noch mit Werken von Jens Wiemann aus Nürnberg erweitert. Koller: "Er kam durch eine Depression zur Kunst und wird bei uns seine Bilder vorstellen." Ergänzt wird das Ganze noch durch Aktionskunst von behinderten Mitarbeitern der Wernberger Werkstätten der Dr. Loew Soziale Dienstleistungen. Acht Männer und Frauen werden eine Aktionswand vor dem Café bemalen. "Wir freuen uns schon darauf", versichert der Leiter der Werkstätten, Peter Regler. Und Tanja Koller fügt hinzu: "Wir hoffen, dass so im Vorbeigehen möglichst viele Kontakte mit den Kunstgenuss-Besuchern entstehen."

Am 12. November um 16.30 Uhr steht im Scout eine offene Gesprächsrunde über Tabus im persönlichen Alltag auf dem Programm. Das Angebot: Jugendliche können - auf Wunsch auch anonym - in einem Raum des Schülercafés mit der Psychotherapeutin Maya Gaderer-Forster über Probleme sprechen, die sie im Alltag belasten oder durch die sie sich ausgegrenzt fühlen. "Wir Pädagogen werden nicht dabei sein", verspricht Tanja Koller namens der Kolping-Mitarbeiter. Trotzdem ist sie natürlich gespannt, wie das Angebot angenommen wird.

Das Thema häusliche Gewalt greift die Weidenerin Maron Fuchs, so der Künstlername der ehemaligen Kepler-Schülerin, in ihrem Buch "Eisige Kälte" auf. Die junge Frau, die mittlerweile in Bamberg studiert, liest am 19. November um 16.30 Uhr im Schülercafé aus ihrem Werk vor. Gewalt in der Familie - auch darüber wird in der Regel nicht gesprochen. Und auch dieses Tabu wird gebrochen.
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