Tag der offenen Tür beim Kunstverein - Marianne Ach stellt ihr neues Buch "Am Horizont kein ...
Mit der Oberpfalz abgeschlossen

Autorin Marianne Ach hat sich in ihrem neuen Buch mit der Kurzgeschichte "Fluchtwege" von ihrer alten Heimat verabschiedet. Bild: hfz
Zahlreiche Besucher waren dem alljährlichen Ruf gefolgt und schauten am Tag der offenen Tür beim Kunstverein vorbei. Vorstands-Mitglied Wolfgang Herzer schloss seine Worte mit einer Schweigeminute und einem kurzen Nachruf im Gedenken an den Weidener Künstler Karl Aichinger ab. Besonders begrüßte Herzer Stadtrat Veit Wagner mit seinem somalischen Gast aus dem Camp Pitman.

Die Idee der Ausstellungs-Reihe "Passt", einmal im Jahr in einer Schau der Mitglieder-Exponate auch den mentalen Innenraum des Vereins begehbar zu machen, zeigte auch diesmal wieder genügend Attraktivität. Die vollständig besetzten Plätze waren aber zu einem Gutteil auch der angekündigten Lesung von Marianne Ach geschuldet, die 2005 schon einmal auf einer Lesereise mit dem Karl-Stutz-Verlag im Kunstverein Station gemacht hatte. Auch diesmal entwickelte sich die Lesung wieder zu einem freimütigen Dialog zwischen Autorin und Publikum.

Die 1942 in Eslarn geborene Autorin hatte ein Heimspiel. Mundartliche Kommunikation mit alten Freunden aus der Oberpfalz mischte sich ostentativ ins Schriftdeutsch der Lesung aus ihrem neuen Buch "Am Horizont kein Zeichen", das im Lichtung Verlag erschienen ist. Es handelt sich um einen Band mit 19 Kurzgeschichten, aus dem die heute in München lebende Oberpfälzerin die Titel "Fluchtwege", "Wörter der Liebe" und "Aus dem Nichts" vorstellte.

Selbst-Findungs-Weg

Marianne Ach hatte, dem Drang nach höherer Schulbildung und persönlicher Autonomie folgend, bereits im Alter von 13 Jahren die raue Oberpfälzer Lebenswelt verlassen und einen Selbst-Findungs-Weg betreten, der vom dörflichen Raum über das klösterliche Leben als Franziskanerin in die säkularen Existenz geführt hat. Das ist auch der charakteristische Stoff, aus dem viele ihrer bisherigen Darstellungen waren.

Da überraschte es, als die Verfasserin von sechs Büchern aus der Rückschau kundtat, dass sie in ihrem neuen Werk mit der Oberpfalz abgeschlossen hätte. "Fluchtwege" wäre noch eine Referenz ans Alte. Freilich, Heimatautorin im besten Sinne ist Marianne Ach geblieben, auch wenn sie die Mehrzahl ihrer Schauplätze mittlerweile außerhalb ihrer Herkunfts-Gegend findet, auf Kreta, in Nigeria, aber dann doch auch wieder an der tschechischen Grenze, im Winter 1945, auf der Flucht. So in der Geschichte "Fluchtwege" und deren noch unveröffentlichten tragischen Fortsetzung.

Mentaler Schwebezustand

Die Geschichte einer auf der Flucht alleingelassenen Mutter mit kleinem Kind, einem Jungen, dem späteren Mann der Autorin, veranschaulicht dabei exemplarisch die Poetik der Marianne Ach. Alle ihre Schöpfungen entspringen konkreten, realen Ereignis-Kernen, Anstößen durch die Alltags-Wirklichkeit, dem Betroffen-Sein, das zur Sprache will. Dem entspricht die vielschichtige, impressionistisch getupfte literarische Diktion, die vieles offen lässt und beim Leser einen mentalen Schwebezustand hervorruft.
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