"Tag des Flüchtlings": Schauspiel zeigt Leben von Asylbewerbern in Deutschland
Eine alltägliche Tragödie

Lagerkoller durch monatelanges Zusammenleben von wildfremden Menschen auf engstem Raum: Das war nur ein Aspekt im Leben eines Asylbewerbers in Deutschland, den das Theaterstück in Rothenstadt aufgriff. Bild: Kunz
Bühne frei für eine Tragödie, die Alltag ist in Deutschland: Zum "Internationalen Tag des Flüchtlings" veranstalteten der Arbeitskreis Asyl und die Gruppen von Amnesty International (AI) am Freitag im katholischen Pfarrsaal von Rothenstadt eine Theateraufführung mit dem Titel "Asyl". Das "ue-Theater" Regensburg gab dabei punktuelle Einblicke in das Leben von Flüchtlingen in hierzulande. Nach einer kurzen Einführung durch Veit Wagner (AI) schilderten Schauspieler verschiedene Aspekte, mit denen sich Asylbewerber konfrontiert sähen.

So stellten sie etwa die Ankunft am Flughafen mit anschließender, in diesem Falle entwürdigender, Befragung durch den "Entscheider" szenisch dar. Thema war auch der Lagerkoller durch monatelanges, engstes Zusammenleben mit fremden Menschen und die abfälligen Sprüche mancher Menschen auf der Straße. Auf eindrucksvolle Weise schilderte das Theaterprojekt eine abweisende Behandlung durch Hausmeister und Behördenmitarbeiter sowie die eingeschränkte medizinische Versorgung. Ebenso zeigte es, wie willigen Bewerbern die Ausbildung verweigert und wie unmenschlich die Flüchtlinge oft über ihre Abschiebung informiert würden.

Zu Tränen gerührt

Den einzelnen Spielszenen, die auf Fakten und realen Vorgängen basierten, folgten präzise Informationen auf einer Leinwand und Erläuterungen von Kurt Raster, dem Regisseur und Moderator. Die Präsentation durch das eingespielte Team löste beim Publikum Schweigen und Betroffenheit aus. Manchen Besucher rührte die Darstellung zu Tränen.

Anschließend luden die Schauspieler das Publikum ein, auf der Bühne mitzuagieren. Drei Szenen führte das Ensemble erneut vor, wobei sich die Zuschauer an beliebiger Stelle als "Zu-Schauspieler" einbringen durften: mit überraschenden Reaktionen, alternativen Handlungsideen, mit Wort- und Spielwitz. Sichtbar wurde die mögliche Einmischung, das Handeln mit Zivilcourage. Es gab viel Zuspruch und Gelächter. Diesem Teil schloss sich eine ausgiebige Diskussion an. Manches Gespräch wird Folgen haben, mancher Betroffene wird seine Erkenntnisse in Mitarbeit, zum Beispiel beim AK Asyl, einbringen.

Das Gastspiel finanzierte das Bundesprojekt "Toleranz fördern - Kompetenz stärken". AI-Mitarbeiter sammelten zudem Unterschriften an die Bundesregierung, mit denen sie einen besseren Schutz für Flüchtlinge erreichen wollen. Sie kritisierten die "Festungsmentalität" europäischer Länder, die auch zu den Tragödien im Mittelmeer führe.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2014 (8406)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.