"Tage vergehen viel zu schnell"

Margit Kirzinger (SPD) liegt die Kommunalpolitik im Blut. Schon ihr Großvater, Josef Hochwart, war Bürgermeister der Grenzgemeinde Waidhaus. Auch der Vater brachte sich im Gemeinderat ein. Nach einigen Anläufen ist die 58-Jährige nun seit einem Jahr Chefin im Rathaus und stellvertretende Landrätin.

"Der neue Tag" fragte Margit Kirzinger nach ihrer Bilanz nach 365 Tagen im Amt. Am Ende lässt sie keine Zweifel aufkommen: Die Waidhauserin hat jahrelang auf ihren Traumberuf hingearbeitet, um nun in verantwortlicher Position ihre Gemeinde mit ganzer Kraft weiter voranzubringen. Und sie fühlt sich dabei ausgesprochen wohl.

Lässt ihr Terminkalender noch ein Familienleben oder gar Hobbys zu?

Schon als Markt- und Kreisrätin hatte ich wenig Freizeit. Deshalb war ich an diese Situation schon gewohnt. Für die Familie bleibt wenig Zeit, aber ich genieße die Stunden dafür intensiver als früher. Meine Enkel machen mehr als viel Freude, das gibt Kraft für den kommunalpolitischen Alltag. Das Motorradfahren bleibt fast auf der Strecke, Saxofonspielen ist nach wie vor mein Hobby. Ich habe aber kaum mehr Zeit zum Üben, zum Leidwesen meines Musiklehrers Hermann Mack. Die "Atemnot"-Proben am Sonntag um 19 Uhr sind für mich pure Lebensfreude.

Haben sie sich das Bürgermeisteramt so vorgestellt?

Ich wusste, auf was ich mich einlasse. Meine Vorstellungen von diesem Amt waren realistisch. Es ist der abwechslungsreichste Beruf, den es gibt. Die Tage vergehen viel zu schnell, ich möchte die Zeit oft anhalten. Mit der optimalen Unterstützung meinter Mitarbeiter und unseres Gemeinderats macht die Arbeit wirklich richtig Freude.

Würden Sie sich heute wieder zur Wahl stellen?

Keine Frage - selbstverständlich ja. Ich kann nur jedem Kommunalpolitiker empfehlen, dieses Amt anzustreben und darauf hinzuarbeiten. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind enorm und in keinem anderen Beruf so vielfältig.

Was nehmen Sie sich bis zum Ende der Amtsperiode vor?

Meine größte Herausforderung sehe ich in der Entwicklung des Ortskerns. Die Belebung beziehungsweise Verhinderung von Leerständen ist wichtiger denn je. Mit der geplanten Neugestaltung des nördlichen Marktplatzes setzen wir einen Schwerpunkt. Der Markt Waidhaus muss aber auch im Hochbau aktiv und Vorreiter werden. Ich hoffen dann natürlich auf Synergieeffekte.

Wie sieht ihre Familienpolitik in der Gemeinde aus?

Hier möchte ich unter anderem vor allem ansprechende Freizeitmöglichkeiten für diejenigen realisieren, die dem Spielplatzalter entwachsen sind. Unsere Freizeitanlage kann nicht alles komprimieren. Das Angebot muss vielseitiger werden. Zum Glück habe ich viele aktive Vereine, die bereits jetzt ein enormes Angebot bereitstellen. Außerdem brauchen wir passenden Wohnraum für ältere Menschen. Und damit meine ich nicht Ein-Zimmer-Appartements oder Pflegeheimplätze. Man muss eine Zwischenlösung finden für Menschen, die Haus und Garten nicht mehr bewältigen können.

Wie ist das Verhältnis zu den tschechischen Nachbarn?

Das ist für mich ein ganz wichtiges Thema. Wir haben sehr gute Kontakte - unter anderem zur Musikschule Stríbro. Ich bin seit vielen Jahren mit dem sehr engagierten Senator Miroslav Nenutil befreundet. Mit ihm kann ich mich super austauschen und zusammenarbeiten.

Vollenden Sie bitte den Satz "Ich bin eine gute Bürgermeisterin, weil. . ."

". . . es schon immer mein Traumberuf war und ich viel Engagement, Ausdauer, Kraft und Leidenschaft investiere."

Was sind die Sonnen- beziehungsweise Schattenseiten des Amtes?

Zu den Sonnenseiten zählt das viele positive Feedback aus der Bevölkerung, das mich viel und oft erreicht. Da freut man sich schon sehr. Schöne Momente sind auch Trauungen oder die Begrüßung unserer Neugeborenen und die Kontakte mit den Bürgern. Die Schattenseite ist der wirklich enorme Zeitaufwand. Schade ist auch, dass ich beobachten muss, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich ehrenamtliche zu engagieren. In den Vereinen tut man sich schwer, die Nachfolge zu regeln.

Wo liegen die Stärken einer Frau als Gemeindechefin?

In der Ruhe liegt die Kraft - meine Devise. Die Lebenserfahrung von Frauen ist eine andere als die der Männer. Beruf und Familie prägen unser Leben. Deshalb sehen wird die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln. Eine Stärke von uns Frauen ist auch, dass wir zuhören können. Eine ganz wichtige Eigenschaft in diesem Amt.
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