Teilzeit-Frauen im Chefsessel

Beim Besuch der Genossinnen waren die Frauen klar in der Überzahl, in der Arbeitswelt dagegen sind sie oft unterlegen. Von links: Die Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Annette Karl, Klaus Gredinger (Teamleiter Arbeitgeber-Service), Agentur-Geschäftsführer Andreas Staible, Landtagsabgeordnete Dr. Simone Strohmayr und Margot Salfetter (Beauftragte für Chancengleichheit). Bild: Hartl

Zwei Teilzeitkräfte teilen sich eine Führungsposition. "Das wäre ein guter Ansatz, um die Karrierechancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern", meint Dr. Simone Strohmayr (SPD). Denn noch immer sind es vorwiegend Frauen, die Kinderbetreuung und Haushalt managen. Die Folgen: Karriereknick und niedrige Renten.

Weiden. (ps) "Dass das nicht sein muss, machen uns Frankreich und die skandinavischen Länder vor", sagt Landtagsabgeordnete Annette Karl. Als wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in Bayern will sie deshalb einen runden Tisch initiieren und der Frage auf den Grund gehen: Wie sieht der familienfreundliche Arbeitsplatz aus? "In Skandinavien zum Beispiel gibt es keine Vorstandssitzung nach 17 Uhr. Da kann der Mann genauso die Kinder abholen wie die Frau." Ein Modell, das durchaus auch in Deutschland denkbar sei.

"Königsweg" Elektrikerinnen

Was in der Bundesrepublik - speziell im Raum Weiden - für Frauen auf dem Arbeitsmarkt bereits realisiert wird, darüber informierten sich drei hochrangige Genossinnen am Freitag in der Arbeitsagentur Weiden. Annette Karl hatte mit Dr. Simone Strohmayr und Ruth Müller die Frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und deren Stellvertreterin mitgebracht. Was den beiden besonders imponierte: Die Umschulung von Berufsrückkehrerinnen zu Industrie-Elektrikerinnen. "Ein Königsweg, den man auch anderen Agenturen empfehlen sollte", zeigte sich Simone Strohmayr begeistert.

Denn von den gut 30 Frauen, die seit 2011 an den Maßnahmen in Weiden teilgenommen haben, "sind hundert Prozent in Arbeit", berichtete Margot Salfetter. Und nicht nur das, erklärte die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt: "Die Frauen verdienen gutes Geld, arbeiten Vollzeit oder nahe dran und die Firmenchefs sind begeistert." Deshalb liegen schon Anfragen nach den Absolventinnen der nächsten Maßnahme vor.

Die Beschäftigungssituation von Frauen in Bayern und der Oberpfalz sei mittlerweile ausgezeichnet, zeigte Andreas Staible, Geschäftsführer der Agentur, auf. Vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei kontinuierlich gestiegen, ein Großteil davon sei Teilzeit beschäftigt. "Das entspricht dem Wunsch vieler Frauen, bringt für sie aber Nachteile bei der Rente."

"Altersarmut ist weiblich", griff Simone Strohmayr den Faden auf. Noch immer seien viele Frauen in Teilzeit- oder 400-Euro-Jobs tätig und würden damit im Alter wieder zu kurz kommen. Deshalb hätten die drei SPD-Frauen, die derzeit eine Woche durch bayerische Lande touren, in Kulmbach die Resolution "Frauen verdienen mehr" mit verabschiedet. Mit der Nachqualifizierung von Berufsrückkehrerinnen habe die Weidener Agentur den richtigen Weg beschritten. Für mehr firmeneigene Kindertagesstätten will sich Annette Karl stark machen.

Raus aus Perspektivlosigkeit

Berufliche Qualifizierung sei auch für die Frauen wichtig, die Zuflucht in Frauenhäusern suchen, machte Ruth Müller klar. Das werden immer mehr, haben die Genossinnen bei ihrem Besuch in Aschaffenburg festgestellt. Der Freistaat müsse die Einrichtungen unbedingt besser fördern. Und: "Wir müssen die Frauen so qualifizieren, dass sie ihr Leben meistern und aus der Perspektivlosigkeit rauskommen können."
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.