Teilzeit mit ganzer Kraft

Kann sich Teilzeitausbildung rentieren? Ja, sagten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: (von links): Moderatorin Roswitha Ruidisch, Werner Lukas von Lukas Anlagebau GmbH, die Ausbildungsberater Karl-Heinz Lex und Michael Knauer, Monika Reichel vom Jobcenter und Birgit Trummer vom IHK-Weiterbildungsbüro. Bild: sbü

Noch sind es Ausnahmen, aber der Anstieg ist deutlich: Mit Teilzeitausbildungen gewinnen Arbeitgeber immer häufiger Bewerber. Doch es gibt dabei auch einiges zu organisieren.

(sbü) Der Versuch ist gelungen: Lukas Anlagebau GmbH in Vohenstrauß hat eine Elektronikerin für Automatisierungstechnik in Teilzeit ausgebildet. Sie wurde inzwischen übernommen - und Firmenchef Werner Lukas sagt, "ich würde es wieder machen". Die Mitarbeiterin arbeite derzeit 30 Stunden, sei hoch motiviert und könne, sobald es ihre persönliche Situation zulässt, auch ganztags antreten.

Dem Beispiel folgen

Das Beispiel des Unternehmers Lukas präsentierte in der "Woche der Ausbildung" die IHK-Informationsveranstaltung "Mit voller Kraft in die Teilzeitausbildung". Ziel war, auch andere Betriebe zu animieren, diesem Beispiel zu folgen. Aus gutem Grund: "Nach Berechnungen der IHK werden alleine in der Oberpfalz bis zum Jahr 2030 mindestens 29 000 Fachkräfte mit dualer Ausbildung fehlen", erläuterte in einem Grundsatzreferat Ralf Kohl, IHK-Bereichsleiter für Berufsbildung.

Demografie, aber vor allem der Trend zu akademischen Berufen, seien Gründe für diesen Mangel. Für eine Region mit hoher Industriealisierungsdichte wie die Oberpfalz könne dies einen Abwanderungstrend von Betrieben bewirken. Mit Teilzeitausbildungen könnten sich zusätzliche Kräftereserven erschließen lassen. Kohl erläuterte, dass seit dem Jahr 2005 das Berufsbildungsgesetz diese Ausbildungsform ermöglicht. Doch noch sind es in der Oberpfalz wenige, die davon Gebrauch machen.

"Teilzeitausbildung ist nichts anderes als normale Ausbildung, nur der Faktor Ausbildungszeit ist anders", erläuterte IHK-Ausbildungsberater Karl-Heinz Lex in einer Podiumsdiskussion. Weil aber "das Umfeld organisiert werden und meistens ein Kind versorgt sein muss", gebe es in der Umsetzung oft Schwierigkeiten. Jeder Einzelfall müsse gesondert betrachtet und gelöst werden. Für Kinderbetreuung, Berufsschulbesuche, Arbeitszeiten, Ausbildungsdauer, Wegezeiten, Bezahlung und Unterhalt müsse man individuelle Lösungen finden. Und auch die Kollegen müssten mitmachen.

Lösbare Probleme

Alle Teilnehmer der Diskussion waren sich jedoch einig, dass diese Themen in vielen Fällen lösbar sind. Grundsätzlich kämen für die Teilzeitform auch alle Ausbildungsberufe in Betracht. IHK, HWK, Jobcenter und Arbeitsagentur bieten dafür auch ihre Beratungsdienste an. Birgit Trummer, Leiterin des Weidener IHK-Weiterbildungsbüros, appellierte an Frauen ohne Ausbildungsabschluss, diese Möglichkeit zu nutzen, um "das Leben entscheidend zu beeinflussen". Monika Reichel, Beauftragte für Chancengleichheit im Jobcenter, sieht durch eine solche Ausbildung die "Vorbildfunktion der Mütter für ihre Kinder gestärkt".

Die Experten informierten ebenfalls über weitere Aspekte der Teilzeitausbildung. Auch im Pflegebereich, zum Beispiel bei Altenpflege- und Heilerziehungspflegehelfern, gebe es diese Möglichkeit. Betriebe sollten bedenken, dass oftmals nach einigen Jahren Teilzeit die Beschäftigten zur Vollzeit übergehen. Auch die beiden Varianten mit und ohne Verlängerung der Ausbildungszeit wurden vorgestellt. Der Wechsel in Teilzeitform könne zudem Ausbildungsabbrüche wegen Schwangerschaft verhindern. Zudem verwiesen die Gesprächspartner auf Förderprogramme.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.