Termine bis März - Nur noch wenige Zeugen
Millionen-Prozess: "ein Ende vor Augen"

(ca) Es ist der 34. Verhandlungstag. Der Angeklagte kennt inzwischen alle Beteiligten persönlich. "Machen Sie es sich schön gemütlich", klopft er dem Vorführbeamten auf die Schulter, der sich im Gerichtssaal seinen Stuhl zurechtrückt. Wolfgang S. trinkt Kaffee mit Milch. Manchmal findet er in Verhandlungspausen jemanden, der ihm einen Becher vom Automaten holt.

An Kontaktfreude und Überzeugungskraft hat es ihm noch nie gemangelt. Das wird auch in den E-Mails deutlich, die derzeit im Betrugsverfahren verlesen werden. Wolfgang S. zog seinen Geldgebern fünf-, sechsstellige Summen widerspruchslos aus der Tasche. In einem Strafprozess muss jedes Beweismittel "live" und mündlich eingeführt werden. Das macht die Sitzungen zurzeit eher langweilig. Am Mittwoch konnte die Verlesung des deutschen Schriftverkehrs abgeschlossen werden. Jetzt fehlt noch die Post, die aus dem Englischen übersetzt wird (voraussichtlich letzter Termin 13.2.).

Der wegen Millionenbetrugs angeklagte Wahl-Mallorquiner wird im April 69 Jahre alt. Im April würden es auch zwei Jahre, dass er in Untersuchungshaft in der JVA Weiden sitzt. Zumindest hat Wolfgang S. gute Karten, dass der Prozess vor diesem Datum ein Ende findet. Landgerichtspräsident Walter Leupold setzte am Mittwoch acht weitere Termine bis März an. Leupold sah dennoch "allmählich auch ein Ende vor Augen".

Es steht noch die Entscheidung der Kammer über die Anträge des Verteidigers Helmut Miek aus, der Zeugen aus Südafrika und Griechenland hören will. Die Protokolle der Auslandsreisen müssen verlesen werden. An leibhaftigen Zeugen fehlen auch nicht mehr viele: ein Ex-Anwalt des Angeklagten (4. Februar), der Kommissar (geplant 20. Februar). Außerdem der Psychiater, der am 11. Februar seine Expertise abgeben wird.
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