Teurer Tropfen

Ist ja Super - oder eben gerade nicht: Wer in Weiden und Umgebung tankt, zahlt derzeit besonders hohe Preise. Bild: Hartl

Nicht zuletzt den Berufspendlern fällt's auf: Anderswo ist der Sprit viel billiger als in Weiden. Zum Beispiel in München und in Nürnberg, wo der Liter Super rund zehn Cent weniger kostet. Woran liegt's?

Hätte er es vorher gewusst, dann hätte er in Nürnberg natürlich nochmal vollgetankt. Rund 60 Liter Super (E5) à 1,409 Euro, wie er auf mehreren Tankstellenschilder der Frankenmetropole las. Zurück in Weiden, ließ sich der Ausflug zur Zapfsäule dann kaum mehr aufschieben. Der Max-Reger-Städter staunte nicht schlecht: Nur eine gute Autostunde später musste er 1,509 für den Liter berappen. Zehn Cent mehr! Insgesamt also Mehrausgaben von sechs Euro. Ein plötzlicher Preissprung? Oder ist Weiden beim Sprit tatsächlich ein "besonderes teures Pflaster", wie der Leser mutmaßt? "Mit uns kann man's ja machen."

Der NT hat die Spritpreise über einen Zeitraum von zwei Wochen verglichen: an mehreren Tagen, zu verschiedenen Uhrzeiten. Ergebnis: Der Mann hat Recht - Weidens Preise sind tatsächlich rekordverdächtig hoch.

Aktuelles Beispiel vom Donnerstag, 7. Mai, 15.30 Uhr : Der Durchschnittspreis von Super (E10) lag in der Max-Reger-Stadt bei 1,498. Ein Wert, den laut Portal "Clever-Tanken.de" von den 100 größten Städten Deutschlands nur Trier (1,582) und Konstanz (1,562) übertrafen. Der bundesweite Durchschnittspreis betrug 1,45 Euro. Günstigste Stadt war Hildesheim mit 1,403.

Doch auch schon im engeren Radius fallen die Unterschiede gewaltig aus. Am Montag, 4. Mai, um 15 Uhr untersuchten wir Dieselpreise. Der Liter kostete in Weiden, Neustadt/WN und Altenstadt/WN mindestens 1,279, im Gros 1,299 Euro. Anderswo war er zu dem Zeitpunkt erheblich billiger: Die günstigsten Tankstellen in Amberg verlangten 1,219, in Nürnberg 1,169, in München 1,179 und in Regensburg 1,249 Euro.

Weniger eklatant sind die Unterschiede an den hiesigen Tankstellen. Am Freitag, 24. April, um 11 Uhr trennten die billigste (1,509) und teuerste Tankstelle (1,539) in Weiden und Umgebung beim Liter Super (E5) drei Cent. Mehr sind es selten. Aber auch hier: Vor allem in München (1,388) und Nürnberg (1,399) füllten Autofahrer ihre Tanks weitaus günstiger.

Am Mittwoch, 28. April, um 14 Uhr waren die Unterschiede nicht ganz so krass: günstigster Preis in Weiden 1,499, in München und Nürnberg 1,409, in Regensburg 1,469 und in Amberg 1,489.

Immerhin aber noch um neun Cent pro Liter kam der Nürnberger da also günstiger davon als der Weidener. Warum? "Das wissen wir auch nicht so genau", antwortet Tankstellenbesitzer Rainer Bär (Untere Bauscherstraße). Doch er bestätigt: "In der Region sind wir in Weiden momentan am teuersten." Ein Blick nach Marktredwitz, wo Bär vormals ebenfalls eine Tankstelle betrieb: "Sie wird von der selben Firma beliefert - und ist trotzdem 5 Cent billiger als wir." Bär muss sich natürlich an der ortsansässigen Konkurrenz orientieren, an den lokalen Marktbedingungen. Ein Computerprogramm vergleicht seine Preise mit denen von vier anderen hiesigen Tankstellen und meldet Veränderungen. Und irgendwann, meint der Geschäftsmann, geht's auch wieder im Gleichschritt in die andere Richtung: "Dann sind wir wieder billiger als Amberg. Das ändert sich immer wieder."

"Der Preisdruck in Weiden ist eingeschlafen", sagt Gerhard Bergler (Bergler Mineralöle). Offenbar eine Gegenbewegung zu vergangenem Jahr, "als wir den Sprit über Monate zum Einkaufspreis abgeben mussten". Das heißt: 2014 war das Benzin in Weiden noch rekordverdächtig günstig - "im November sogar um 10 Cent billiger als in Nürnberg", wie Bergler berichtet. "Da hätte ich gerne Schilder aufgehängt: ,Liebe Leute, heute bitte lieber nicht tanken.'"

Der Ausreißer nach unten ist jedoch ebenso schwer zu erklären wie der nach oben. Eine Möglichkeit: "Kann sein, dass ein Konzern den Markt und die Konkurrenten mal über Kampfpreise austesten will." Im Spritgeschäft gehe es manchmal zu "wie im Mädchenpensionat", meint der Geschäftsführer. "Kein Fehler wird verziehen. Untypische Preisbewegungen werden einem sehr übel genommen." (Übrigens: NT-Anfragen bei zwei Mineralölkonzernen blieben unbeantwortet)

Bald wieder "andersrum"

Bewegungen, die auch interessierten Kunden nicht verborgen bleiben: Apps fürs Smartphone oder Internet-Rechner nehmen im Handumdrehen Preisvergleiche vor. Ein Steilvorlage in einem Land, in dem "Tanken Volkssport" sei, wie Bergler sagt. "Oder wissen Sie vielleicht, was die Butter in verschiedenen Geschäften kostet?" Beschweren will sich der Betreiber natürlich nicht: Durch die Sprit-Apps, meint er, "bekomme er "eher mehr Kunden". Auch wenn die nun ganz genau sehen können, wie billig der Kraftstoff in anderen Regionen ist. Oder - demnächst - wie teuer. Denn auch Gerhard Bergler prophezeit: "Bald schon läuft's wieder andersrum. Dann ist der Sprit in Weiden wieder am billigsten."
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