Thema Tod in die Gesellschaft tragen

"In Würde sterben" - zu diesem Thema war von den Diskussionsteilnehmern viel Nachdenkliches zu hören. Von links: Dekan Dr. Wenrich Slenczka, Ilse Stock vom Hospiz- und Beratungsdienst, Dr. Matthias Loew vom Ärzteverbund Oberpfalz-Nord, Waltraud Koller-Girke, Vorsitzende des Fördervereins für Schwerkranke, und die Landtagsabgeordneten Kathi Petersen und Annette Karl, die auch eingeladen hatte. Bild: Bühner

Niemand plädierte für aktive Sterbehilfe. Unterschiedliche Ansätze zum Thema Sterbehilfe und würdevolles Sterben waren in der Diskussion dennoch zu hören. Einig waren sich die Teilnehmer: Das Thema Tod darf nicht tabu sein.

(sbü) Über Sterbehilfe wird derzeit im Deutschen Bundestag diskutiert. Fünf fraktionsübergreifende Gruppenanträge liegen vor. Sie decken ein breites Spektrum von Alternativen ab, von der grundsätzlichen Erlaubnis eines ärztlich assistierten Suizids bis hin zum strikten Verbot der Sterbehilfe und dem Ausbau der Palliativmedizin. Aus diesem Anlass lud die SPD-Landtagsfraktion, vertreten durch die Abgeordneten Annette Karl (Weiden-Neustadt/WN) und Kathi Petersen (Schweinfurt), zu einem Podiumsgespräch in die Max-Reger-Halle ein.

Die Überschrift lautete "In Würde sterben". Ein Anspruch, der in der heutigen Gesellschaft viel zu selten erfüllt wird - das zeigte die Diskussion klar auf. Aktive Sterbehilfe forderte am Abend niemand. Deren Befürworter verweisen auf die individuelle Freiheit und Selbstbestimmung, erläuterte MdL Kathi Petersen in ihrem Impulsreferat. MdL Karl wies darauf hin, dass das Thema aus der NS-Zeit vorbelastet sei. Gegen eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe sprach sich Dr. Matthias Loew als hausärztlicher Vertreter im Vorstand des Ärzteverbundes Oberpfalz-Nord aus. "Wir Ärzte wollen Krankheiten heilen; ist dies nicht möglich, wollen wir Beschwerden lindern und auch Sterben begleiten."

Dr. Loew sagte auch: "Der letzte Dienst für oder am Patienten kann nicht durch eine gesetzliche Regelung am grünen Tisch entschieden werden, sondern nur zwischen Patient und mir." Dr. Loew forderte vehement die Rückkehr zum früheren Hausarztsystem, "damit das Sterben nicht immer weiter weggeschoben wird". Weitgehende Einigkeit bestand in der Diskussionsrunde im Ziel, "todkranken Menschen das Sterben zu Hause in Frieden und Würde" zu ermöglichen. Waltraud Koller- Girke stellte als Vorsitzende des Fördervereins für Schwerkranke die vielfältigen Hilfen ihrer Einrichtung vor. "Würdevoll sterben kann man nur, wenn man würdevoll lebt", sagte sie. Sie kritisierte auch die Kürzungen des "palliativen Zusatzgeldes", das zusätzlich zu den Fallpauschalen der Palliativversorgung bezahlt würde.

Leben als "Gabe Gottes"

Ilse Stock vom Hospiz und Beratungsdienst Weiden-Neustadt bedauerte, "dass viel zu oft alleine gestorben wird". 95 Prozent der Patienten könnten schmerzfrei versorgt werden. Viel zu selten gebe es Patientenverfügung und Notfallplan. "Stirbt in der Nacht ein Kranker zu Hause, muss nicht immer der Notarzt gerufen werden. Es genügt, morgens den Hausarzt zu verständigen", empfahl Stock. Dekan Dr. Wenrich Slenczka beleuchtete eher die ethischen Grundlagen des Sterbens eines Menschen. "Das Leben ist eine Gabe Gottes. Es bleibt eine Gabe, auch wenn es nicht nach Wunsch verläuft." Deshalb gebe es auch keinen Grund für aktive Sterbehilfe, sagte der Dekan. Er empfahl auch, mit Sterbenden zu beten. "Nachts kann man auch den Pfarrer rufen." Auf jeden Fall müsse man "das Thema Tod wieder mehr in die Gesellschaft tragen".

Zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung, "dass das Leben endlich ist", rief Petersen auf. Und Karl erkannte, dass "noch viel Aufklärungsarbeit zum Thema Sterben" nötig sei.
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