Titos furiose Fiesta

Vater Tito Larriva und Tochter Lolita Carroll im absoluten Einklang. Bilder: Tobias Schwarzmeier

Der Whiskey rinnt langsam den Schenkel des nackten Frauenbeins herunter über die Zehen in den Mund von Quentin Tarantino. Kinofans kennen die Szene aus "From Dusk Till Dawn", die Salma Hayek berühmt machte. Und damit auch Tito & Tarantula - die Band, die den aufreizenden Hintergrund-Song dazu spielte.

"After Dark" ist auch knapp 20 Jahre nach dem Hype um den Vampirfilm beim Auftritt der Kultband im Rothenstädter Rockclub "Salute" der Song schlechthin, bei dem die Post so richtig abgeht. Doch er ist nur ein kleiner Teil des Ausnahme-Konzertes am Sonntag, das von seinen Protagonisten lebt. Im Gegensatz zum Vorjahr an gleicher Stelle bietet Frontmann und Bandgründer Tito Larriva mit dem abgedrehten Gitarristen Peter Atanasoff und Drummer Johnny Hernandez alte Mitstreiter auf, die schon in den 90ern mit von der Partie waren.

Das elegante Bass-Spiel von Larrivas Tochter Lolita Carroll, das feine, tontechnisch geschulte Gespür Markus Preads (Gitarre) für das richtige Timing und die Vielseitigkeit des "Kükens" der Band, Alyssa Grace (Percussion, Violine, Mandoline), - die neben den abgebrühten Bühnenveteranen wie eine brave Schülerin wirkt - geben dem Sound Fülle.

Songs aus der Garage

So vielfältig wie die Bandmitglieder sind auch die Einflüsse, die den herben Gesang der musikalischen Naturgewalt Larriva begleiten. In den gitarrenlastigen Rock mit starker Blues-Komponente mischen sich Indie-, Ska- und natürlich Mariachi-Elemente, die ihm die charakteristische mexikanische Verortung verpassen. Ein Stil zwischen schmieriger Bar und Roadmovie - strotzend vor Energie, mal mit punktiertem Rhythmus treibend, mal mit überwältigenden Gitarren-Donner einhüllend. Ein Stil, der prägt. So wirken neben Krachern wie "Strange Face" oder "Mexico" auch die weitgehend unbekannten Songs, die der aktuellen "Lost Tarantism Tour" ihren Namen geben - nämlich jene, die laut Larriva während der Arbeit am Hit-Album "Tarantism" verloren gegangen und 20 Jahre später in einer Garage wieder aufgetaucht sein sollen. Mythenbildung gehört eben dazu.

Auch sonst spielt der Mann im schwarzen Anzug mit Sonnenbrille und Pferdeschwanz mit allerhand anrüchigen Klischees und den 250 Musikfans im Biergarten. Witzige, teils zotige Sprüche, bei denen die Frauen in der Band die Augen verdrehen, oder das Kokettieren mit diabolischem Jack-Nicholson-Grinsen, wie schrecklich er darin sei, eine Gitarre zu stimmen, machen Laune.

Das Publikum - vom eindringlichen Blues-Rock der starken Regensburger Vorband "3 Dayz Whizkey" angeheizt - feiert eine zweistündige stimmungsgeladene Fiesta. Schade nur, dass "Angry Cockroaches" an diesem Abend die einzige Zugabe des spielfreudigen Sextetts bleibt.
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