Traumjob auf dem Land

Sonja Schuhmacher las aus von ihr übersetzten Büchern. Bild: sbü

Als sie in München mit ihrem Sprachenstudium fertig war, dachte sie: Übersetzerin werden und auf dem Lande wohnen - das sei ihr Traumjob. "Dass es so kam, hätte ich mir nie vorstellen können ", sagt Sonja Schuhmacher .

(sbü) Seit 20 Jahren arbeitet sie als Übersetzerin und wohnt auch seit 10 Jahren in Weiden. "LiteraturLounge" hieß die Veranstaltung an der OTH in Weiden und auf dem Programm stand die Übersetzerin Sonja Schuhmacher. Sie las aus aktuell von ihr übersetzten Büchern vor. Mindestens genauso interessant waren aber auch die Geschichten aus ihrem Leben, vor allem aus dem Alltag einer Übersetzerin. Auch über ihr umfangreiches gesellschaftspolitisches Engagement war viel zu hören.

Eingebettet zwischen den Buchpassagen erfuhren die Zuhörer zum Beispiel, dass die Tätigkeit einer Übersetzerin "schwierig ist, man hart arbeiten muss, keinen Urlaub hat und schlecht bezahlt wird". Dennoch sagte Frau Schuhmacher: "Aber sie macht Spaß." Sie könne diesen Beruf niemandem empfehlen, trotzdem sei er schön. Dass sie dies so empfinde, erklärt sie mit den Inhalten der von ihr übersetzten Bücher.

Auf Weiden umlegbar

"Kapitalismus versus Klima" von Naomi Klein sei ein besonders dafür zutreffendes Beispiel. Den Zuhörern fiel sofort auf, dass Sonja Schuhmacher nicht nur einen reinen Text übersetzen will, sondern sich auch mit den Inhalten identifizieren möchte . Und sie möchte diese auch aktiv in ihrem gesellschaftspolitischen Engagement vertreten. Wenn Naomi Klein "Ölfirmen auf eine Stufe mit der Tabakindustrie" stellt, spricht sie wohl Sonja Schuhmacher aus der Seele. Ähnliches gilt für die "Divestment-Kampagne", mit der die öffentliche Hand und gemeinnützige Einrichtungen aufgefordert werden, ihre Kapitalanlagen aus der "Fossilindustrie", zum Beispiel den Kohlekraftwerken, abzuziehen.

Nur mit dem Pessimismus der Naomi Klein möchte sich die Übersetzerin nicht identifizieren. "Wenn öffentlich moralischer Druck ausgeübt wird, können wir vielleicht das Schlimmste verhindern" sagt die engagierte Gesellschaftskritikerin. Und sie berichtet auch, dass sie in die Oberpfalz "durch die Teilnahme an den erfolgreichen Aktionen in Wackersdorf" gekommen sei. Auch wenn Naomi Klein eine traditionelle Verbindung zwischen Umweltschäden und der Ausbeutung der Arbeitnehmer im neoliberalen Marktmodell anprangert, sieht sich Sonja Schuhmacher an ihrer Seite. Und erst recht bei deren Forderung nach Reduzierung der CO2-Emissionen: "Kohlendioxyd speichert sich im Wald, deswegen darf dieser nirgends auf der Welt abgeholzt werden, auch nicht in Weiden."

Al-Qaidas Kämpfer

Aus dem von ihr übersetzten Buch "Al-Qaidas deutsche Kämpfer" von Guido Steinberg las sie ebenfalls Auszüge vor. Dabei handelt es sich um die Einzeltätergeschichte über einen kosovarischen Muslim, der im Jahr 2001 am Frankfurter Flughafen US-Soldaten erschoss. Sonja Schuhmacher sieht Parallelen in der biographischen Vorgeschichte dieses Täters und des Erfurter Amokläufers.

Schließlich berichtet sie auch noch aus dem Alltag ihrer Arbeit. "Manche schaffen 10 Seiten Übersetzung an einem Tag, ich 5 bis 6." Auch arbeite sie seit Jahren immer in einem Übersetzungsteam und beschränke sich auf englische und amerikanische Autoren. Nur bei Bestsellern gebe es Tantiemen: "Aber die gibt es viel zu selten."

Eingeladen hatten zu der "LiteraturLounge" Pfarrer Hans-Martin Meuß und Dr. Markus Lommer zusammen mit den kirchlichen Bildungswerken EBW und KEB sowie dem Sprachenzentrum an der OTH. Die Reihe wird fortgesetzt.
Weitere Beiträge zu den Themen: US-Soldaten (710)Mai 2015 (7904)
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