"Trio Pierrot" kombiniert in Weiden Max Reger und Julius Röntgen
Champions-League trifft dritte Liga

Das "Trio Pierrot" kombinierte bei den Weidener Max-Reger-Tagen Werke Regers mit Stücken von Röntgen. Bild: Göttinger
Wenn die Champions-League auf die dritte Liga trifft, kann das gewöhnungsbedürftig sein. Hier der Weltklassekomponist Max Reger, bekanntlich ein nicht zuletzt auch aus eigener Sicht musikalisches Genie mit einer Wirkung weit über seine Zeit hinaus. Dort der gediegene Musikhandwerker Julius Röntgen, ein Mann, den man heute allenfalls noch deshalb kennt, weil er in seiner Wahlheimat Holland dem Musikleben Impulse gegeben hat. Klar, dass der FC Reger als Favorit ins Spiel geht.

Röntgen als Herausforderer

So einfach ist es dann doch nicht. Wie immer gilt: Die Wahrheit ist auf dem Platz oder, wie in diesem Fall, im Kultursaal im Alten Schulhaus in Weiden. Dort hat das "Trio Pierrot" bei den "Max Reger Tagen" nämlich Regers "Streichtrio d-moll opus 141b" mit Röntgens "Trio für Violine, Viola und Violoncello Nr. 1 in D-Dur opus 76" kombiniert.

Über die Qualität der Reger'schen Streichtrios muss nicht groß diskutiert werden; sie gehören definitiv mit zum Besten, was er je geschrieben hat. Röntgens Trio, wie das von Reger ebenfalls 1915 entstanden, bleibt als Kunstwerk demgegenüber eindeutig zurück, enthält aber eine ganze Reihe wunderbarer Einfälle, die einfach nur Spaß machen. Da ist der heitere, fröhliche Grundton, in dem das ganze Werk gehalten ist. Im zweiten Satz übernimmt die Viola so etwas wie eine "Spinnrad-Funktion", während die Violine, mit einem leicht melancholischen Touch, darüber gelegt ist. Schließlich frönt Röntgen im dritten Satz seinem Faible für traditionelle holländische Volksmusik.

Das "Trio Pierrot" hat sich durch all die beständigen Rhythmus- und Tempiwechsel, durch die Überfülle an Piccicati und Staccati mit Energie und Leidenschaft hindurch gearbeitet, wenn auch Geigerin Sarah Saviet wie beim Reger-Trio das ein oder andere Intonationsproblem hatte und nicht immer trittsicher wirkte - sie gehört freilich nicht zur Stammbesetzung. Tobias Noss, Viola, und Paul Rah, Violoncello, faszinierten mit sinnlichem Ton und direktem Zugriff.

Reger als Sieger

Ergänzt wurden die beiden Musikstücke durch Lesungen des Schauspielers Janós Kapitány aus Hermann Bahrs "Kriegssegen" und Ernst Jüngers "In Stahlgewittern" sowie mit einigen Gedichten - passend zum Kriegsjahr 1915. Dumm nur, dass Kapitány dabei auch versuchte, mit schnell angelesenem Wikipedia-Halbwissen zu glänzen. Nach dem Schlusspfiff ging der Favorit wie erwartet als Sieger vom Platz. Immerhin blieb die Erkenntnis, dass auch die dritte Liga durchaus ihre Reize haben kann. Literaturlesungen auf Kreisklassenniveau braucht keiner.
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