Trotz Streiks: Abi nach Fahrplan

Die Oberpfalzbahn startete am Dienstag wie geplant um 13.55 Uhr von Weiden nach Regensburg durch. Dagegen fiel der Regionalexpress um 13.56 Uhr nach Neustadt/WN aus. Bild: Götz

Abitur-Ausfälle? Pustekuchen! Der Bahnstreik zeigt hier keine Auswirkungen. Arbeitsausfälle? Auch hier gilt: Der kluge Mann baut vor - und fährt eine Stunde früher als gewohnt.

Weiden/Neustadt. (ps) Wie zum Beispiel Dr. Manfred Klier aus Mantel. Der 59-Jährige, im Sozialreferat der Stadt Nürnberg zuständig für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, fährt täglich mit dem Zug von Weiherhammer in die Noris. Am Dienstag musste er allerdings eine Stunde früher durchstarten als sonst. Denn der Regionalexpress von Weiden verkehrt wegen des Streiks nur im 2-Stunden-Takt. Das heißt, jeder zweite Zug fällt aus.

Ersatzfahrplan funktioniert

Für Manfred Klier bedeutet das: "Ich bin heute um 5 Uhr aufgestanden. Das ist zwar nur eine Stunde früher als sonst, aber der Tag wird schon anstrengender." Nachdem es sich bereits um den achten Streik der Gewerkschaft GDL handelt, hat der gebürtige Kaltenbrunner schon seine Erfahrungen mit dem Ausfall von Zugverbindungen gemacht. "Das hat sich bei der Bahn ganz gut eingespielt", meint er. "Der Ersatzfahrplan Weiden-Nürnberg wird eingehalten. Für Reisende ist es sicher schlimmer, weil der Fernverkehr stärker betroffen ist."

Entwarnung geben die Schulleiter der Gymnasien in Weiden und Neustadt, an denen am Dienstag die Abschlussprüfungen im dritten Abiturfach auf der Tagesordnung standen. "Alle waren pünktlich da", meldet Oberstudiendirektor Helmut Matejka vom Augustinus-Gymnasium. "Nicht nur die Abiturienten." Ausfälle wegen des Bahnstreiks gab es nicht, berichten auch seine Kollegen Rolf Anderlik (Kepler-Gymnasium), Anton Schwemmer (Elly-Heuss-Gymnasium) und Dr. Anton Hochberger (Gymnasium Neustadt/WN). Betroffene Schüler würden entweder selbst mit dem Auto zur Schule fahren oder sich fahren lassen.

Doch offenbar gibt es gar nicht so viele Betroffene. Die Züge von Agilis, Alex und Oberpfalzbahn zwischen Hof und Regensburg verkehren wie gewohnt. Richtung Nürnberg ist - wie erwähnt - jeder zweite Zug im Einsatz und in Richtung Bayreuth gab es am Dienstag nur wenige Ausfälle. Geduld gefordert war zum Beispiel von Pauline (16) und Romina (15), weil ihr Zug um 13.30 Uhr nach Freihung nicht gefahren ist. Die beiden Sophie-Scholl-Realschülerinnen hatten allerdings Glück, sie konnten dafür den Regionalexpress um 14.03 Uhr in Richtung Nürnberg nehmen. Am Morgen waren sie übrigens pünktlich zur Schule gekommen.

Kein Bahn- sondern ein Parkplatzproblem beklagt Oberstudiendirektor Josef Weilhammer. Der Leiter der Europa-Berufsschule schiebt den schwarzen Peter hier allerdings auch etwas in Richtung Bahn-Streiks. Denn, so meint er: "Genau solche Streiks führen dazu, dass immer mehr unserer Schüler mit dem Auto kommen." Zugausfälle im Winter durch vereiste Straßen oder umgestürzte Bäume würden ebenfalls dazu führen, dass die Schüler sich nicht mehr auf die Bahn verlassen möchten. "Unser Parkplatz-Notstand wird dadurch immer schlimmer."

Geringes Verständnis

Doch zurück zu Pendler Manfred Klier. Selbst wenn er seine veränderten Arbeitszeiten relativ gelassen hinnimmt - "dass der Streik auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen wird, finde ich nicht so prickelnd". Sein Verständnis für die GDL ist eher gering. Denn, so meint der 59-Jährige angesichts des mittlerweile achten Warnstreiks: "Irgendwann sollte mal Schluss sein."
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