"Tsipras kann etwas bewegen"

Auch Alexandros Smardenkas setzt auf die neue Regierung. Archivbild: Wilck

Die neue griechische Regierung hält mit ihrer Taktik ganz Europa in Atem. Am Dienstag lichtete sich der Nebel. Die Europartner genehmigten die Verlängerung des Hilfsprogramms um vier Monate - die Zustimmung in den einzelnen Ländern vorausgesetzt. Für Alexandros Smardenkas ist das keine Frage.

Weiden. (ps) Der in Weiden lebende Grieche liegt derzeit mit Grippe darnieder - ähnlich wie Griechenland in finanzieller Hinsicht. Trotzdem schilderte er dem "Neuen Tag" seine politischen Ansichten gerne per Telefon. Er sieht die neue griechische Regierung in einem sehr rosigen Licht. Warum? Nun, in den vergangenen fünf Jahren hätten viele Griechen starke Einkommensverluste erlitten oder gar den Job verloren und dadurch hohe Schulden. "Freunde von mir haben ein Haus gekauft. Früher hat der Lehrer zusammen mit seiner Frau 2500 Euro verdient. Jetzt verdient er nur noch 1200 Euro, seine Frau ist arbeitslos. Sie haben zwei Kinder und müssen eine monatliche Rate von 500 Euro zahlen. Wie soll das gehen?"

Da verspricht sich Alexandros Smardenkas nun einiges von Ministerpräsident Alexis Tsipras und seinen Mitstreitern. "Diese Leute wollen etwas für die Griechen machen. Ich finde, die jetzige Partei ist menschlicher. Sie will dem Volk helfen." Und das sei dringend nötig. Denn: Die Wirtschaft liege am Boden. Die Arbeitslosigkeit in seiner Heimat schätzt der Gastronom ("Pallas") auf etwa 30 Prozent. "In Griechenland gibt es aber auch sehr viele reiche Leute. Nur hat es bisher keiner geschafft, die anzugehen. Ministerpräsident Tsipras traut sich zu sagen, die müssen auch Steuern zahlen." Bei dieser Regierung wird es seiner Ansicht nach auch keine Korruption geben. "Das sind alles neue Leute."

Sparen und besteuern

Alexandros Smardenkos ist sogar so optimistisch, zu glauben, dass Griechenland in Zukunft keine weiteren Kredite mehr benötigt. Wie das? "Tsipras spart sehr viel durch billigere Autos für Minister, billigere Flüge und Hotels." Es gebe viel Schwarzgeld in Griechenland, das man anzapfen könnte. Außerdem verfüge das Land noch über Wertpapiere, die für 3,9 Milliarden Euro gut seien. Und der Tourismus habe sich in den letzten Jahren wieder erholt. Das müsse unbedingt so weitergehen. Dann könne Griechenland wieder auf eigenen Beinen stehen. Der Euro als Währung und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union sollten unbedingt erhalten bleiben, sagt Smardenkas. "Ich denke, auch Europa möchte nicht, dass Griechenland ausscheidet. Das könnte außerdem einen Domino-Effekt auslösen in Portugal, Italien und so weiter."

Mit frischen Eindrücken aus Griechenland ist Konstantinos Balis erst vor acht Tagen nach Weiden zurückgekehrt. "Die Leute werden immer ärmer. Die vielen Milliarden sind bisher nicht beim Volk angekommen. Aber schuld daran sind nicht Deutschland oder Europa. Schuld daran sind die neokonservative Partei und die SPD, die viele Jahre lang eine falsche Politik, Korruption und Vetternwirtschaft betrieben haben." Balis setzt ebenfalls große Hoffnung in die Besteuerung von Reichen. "Das wird für die neue Regierung nicht leicht, aber es ist der richtige Weg." Griechenland benötige außerdem Investitionen aus anderen europäischen Ländern in Form von kleinen Industrieansiedlungen, um Arbeitsplätze zu schaffen.

"Streit mit Deutschland und Europa ist nicht gut. Europa muss zusammenhalten, gerade jetzt wegen der Probleme in Russland", sagt Balis. Seine Vision von Europa geht sogar noch viel weiter: 18 Länder mit ganz verschiedenen Voraussetzungen, das könne auf Dauer nicht gut gehen. "Eigentlich bräuchten wir einen Finanzminister, einen Militärchef und sogar eine Sprache für ganz Europa - so wie in den USA. Nur so funktioniert's. Zuhause könnte man ja seine Muttersprache sprechen. "

Gute Besserung

Doch zurück zur Regierung von Alexis Tsipras: "Diese Politiker haben keine Erfahrung, aber sie versuchen es. Es sind alles sehr gut ausgebildete, studierte Leute. Sie können etwas bewegen." Noch krankt der Patient Griechenland. Die Griechen - auch wenn sie in Deutschland leben - hoffen auf gute Besserung.
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