Turmbau überbrückt Grenzen

Petra, Nikoletta und Katharina stecken die Köpfe zusammen und diskutieren lebendig. Nicht auf Deutsch, sondern auf Tschechisch. Zu Füßen der Teenager entsteht ein Bau aus Holzklötzen, der sich sanft in die Höhe schraubt. Turmbau? Fremde Sprachen? Da war doch was.

"Turmbau zu Weiden II" heißt das Motto, zu dem der Kunstverein auch Gäste aus Domažlice einlud. Mit dem biblischen Turmbau zu Babel hatte der Bau(klotz)wettbewerb am Samstag allerdings so gar nichts zu tun. Initiatorin Irene Fritz nennt die Themen: Offenheit symbolisieren, Brücken bauen und Verbindungen schaffen.

Schon zum zweiten Mal geladen hatten Schirmherrin Maria Seggewiß und Irene Fritz, Vorsitzende des Oberpfälzer Kunstvereins und Leiterin der Kinder- & Jugend-Kunstschule in Weiden. Diesmal mit dabei: Kinder und Jugendliche von der Kunstschule Jindricha Jindricha aus dem tschechischen Domažlice - unweit der diesjährigen Kulturhauptstadt Pilsen. Sprachliche Barrieren? To není problém! Kein Problem. "Ahoi" und "Hallo" sind schnell ausgetauscht, Komplizierteres übersetzt Dr. Christian Schramek simultan.

Mit Steinen haushalten

Dann kann es losgehen - fast: Denn bevor sich die Architekten und Statiker aus den Kisten mit insgesamt weit über 10 000 Bauklötzen bedienen dürfen, sollen sie ihre Ideen in einem Grundriss skizzieren. "Denkt daran: Resourcen sind bei so vielen Teams begrenzt. Setzt Eure Steine sinnvoll ein, haushaltet und nehmt Rücksicht auf die anderen", gibt Irene Fritz den Kreativen mit auf den Weg zum zugelosten Bauplatz. Jetzt aber wirklich: Nicht kleckern, endlich klotzen.

Konzentration macht sich breit - zeitweise könnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Stein auf Stein entstehen Türme, Mauern, Türen und Tore, Brücken und Fenster, sanfte Bögen. Es wird aufgebaut, abgebaut, umgebaut und wieder aufgebaut. Auch bei Giacomina, Waldemar und Wernher wächst das Projekt. Die Kinder aus Windischeschenbach sind offensichtlich stolz auf ihren Prachtbau. Genauso wie Marvin Pabian, der mit Vater Marco angetreten ist, Igor Slechta, Lehrer an der Kunstschule Domažlice und alle anderen, die in Teams, Familienmannschaften und freien Gilden angetreten sind.

Stift und Polier

Schnell sind zwei Stunden vorüber. Während sich jetzt die Baumeister zur verdienten Brotzeit ins "Neues Linda" zurückziehen, macht sich die Jury an die Arbeit. Wolfgang Herzer vom Kunstverein, Architekt Stefan Kunnert und Bildhauer Herbert Lankl nehmen jedes einzelne Objekt genau unter die Lupe, vergleichen sie und bestimmen schließlich die Sieger in den Kategorien: Stift (ab fünf Jahren), Geselle (ab acht Jahren), Polier (ab zwölf Jahren) und Baumeister (ab 18 Jahren) sowie in der Sonderkategorie Gäste.

Bei der Siegerehrung mit Maria Seggewiß gibt es viele strahlende Gesichter und von Partnerunternehmen gesponserte Preise. "Die Türme waren alle sehr stark, beeindruckend und spannend. Die Entscheidung war wirklich nicht leicht", begeistert sich Jurymitglied Stefan Kunnert. Und auch Irene Fritz freut sich. "Dieser Nachmittag passt perfekt ins Jahr der Kulturhauptstadt Pilsen, in dem am 24. April der Bayerisch-Böhmische Jugendkunstschultag über die Bühne geht."
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